«Bio» bringt’s – auch fürs Klima!

Wurden Sie kürzlich darauf angesprochen, dass «Sie mit Ihrem Bio» eigentlich dem Klima schaden? Woher diese Ansicht kommt – und was dahintersteckt.


Von Martin Grossenbacher, Leiter Kommunikation

Margaret Karanja baut Biogemüse an - aus Überzegung

Das Bild zu unserem Beitrag hat Patrick Rohr 2018 bei seiner Reise durch Ostafrika fotografiert. Er besuchte die schönsten Biogärten Afrikas und porträtierte die Menschen vor Ort. Weiter zum Beitrag mit Margaret Karanja

Zahlreiche Medien publizierten Anfang Monat Beiträge mit provozierenden Schlagzeilen im Stil von «Bio schadet dem Klima», zum Beispiel der Tages-Anzeiger am 10. November: «100% Bio erhöht den CO2-Ausstoss». Der Artikel stellt eine neue Studie aus England vor, die konventionelle mit ökologischer Landwirtschaft vergleicht. Die Forscher stellten dabei – wie bereits viele andere vor ihnen – fest, dass für die Produktion der gleichen Menge Lebensmittel bei einem 100%-Bio-Szenario eine grössere Landfläche beansprucht und deshalb mehr CO2 produziert wird. Ist Bio also schädlich für das Klima?

Schweizer Studie schafft Klarheit

Adrian Müller vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL ist vor zwei Jahren in seiner Studie zum einem anderen Schluss gekommen. Seine Studie zeigt, dass in Kombination mit dem Verzicht auf Kraftfutter, einer entsprechenden Reduktion des Konsums tierischer Produkte und mit der Reduktion von Nahrungsmittelabfällen der Biolandbau eine wichtige Rolle in einem nachhaltigen Ernährungssystem spielen kann. Dabei wäre die Ernährung der Weltbevölkerung auch bei über 9 Milliarden im Jahre 2050 gesichert, der Landverbrauch würde nicht zunehmen, die Treibhausgasemissionen würden vermindert und die negativen Auswirkungen des heutigen intensiven Ernährungssystems wie grosse Stickstoffüberschüsse oder hohe Pestizidbelastung würden stark reduziert werden.

Weltklimarat plädiert für Agrarökologie

Ende August äusserte sich der Weltklimarat IPCC erstmals zur Rolle der Landwirtschaft beim Klimawandel. In einer drastischen Warnung an die Öffentlichkeit kamen die Klimaexperten zum Schluss, dass die Beschränkung auf 1.5 Grad Erwärmung gegenüber vorindustrieller Zeit nicht mehr erreicht werden kann, wenn nicht auch rasch bei den Nahrungssystemen angesetzt wird. Besonders Bäuerinnen und Bauern im Mittelmeerraum und in Afrika würden durch die Folgen des Klimawandels in ihrer Existenz bedroht. Deshalb müsse das bekannte Wissen über nachhaltige Anbaumethoden möglichst schnell in Entwicklungsländern weitergegeben werden. Dem stimmen wir bei Biovision uneingeschränkt zu, entspricht dies doch unserer Strategie, die wir seit über 20 Jahren erfolgreich umsetzen (vgl. Bericht vom 21.8.18).

Alte Konsumgewohnheiten schaden dem Kilma

Wie schon die oben zitierte Studie des FiBL oder der Sonderbericht des IPCC von August, zeigen weitere Studien renommierter Institute und Organisationen*, was notwendig ist für die Reduktion des C02-Ausstosses in Ernährungssystemen: Ein rasches Umdenken bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Nur so ist ein Kurswechsel zugunsten des Klimas noch möglich. Am Biovision-Frühlingsevent 2018 begründete Adrian Müller ausführlich, warum es einen Konsumwandel braucht: Nur wenn wir den Anteil tierischer Produkte in unserer Ernährung massiv reduzierten und Food-Waste konsequent vermeiden, sei eine nachhaltige und ausreichende Nahrungsmittelproduktion für alle in Zukunft möglich. 

* Z.B. der Expertenbericht des Welternährungsforums (HLPE 2019, PDF) oder die Studie von September 2018 des unabhängigen französischen Forschungsinstituts IDDRI

 

Biovision präsentiert Studie an der Weltklimakonferenz in Madrid

Ab dem 2. Dezember treffen sich an der Weltklimakonferenz COP25 in Madrid Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen Forschungsinstitutionen, und von der Zivilgesellschaft. Biovision wird dort gleich an mehreren Veranstaltungen vom 4. - 6. Dezember ihre neue Studie präsentieren. Diese geht der Frage nach, was von der Klimakrise betroffene Kleinbauernfamilien und Politiker in Subsahara-Afrika tun können, um trotz Klimaerwärmung ihre Ernährungssicherheit und ihre Zukunft zu sichern. Die Studie wurde gemeinsam mit der Welternährungsorganisation FAO  und dem FiBL (u.a. mit Adrian Müller, s. oben) durchgeführt. Auf unserer Webseite stellen wir Anfang Dezember die Studie vor.

Das macht Biovision fürs Klima im In- und Ausland

  • Das Programm CLEVER von Biovision für nachhaltigen Konsum klärt darüber auf und gibt praktische Tipps, wie wir beim Einkaufen und unseren Ernährungsgewohnheiten einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz leisten können.
  • In der Schweiz engagiert sich Biovision für mehr Nachhaltigkeit und einen Kurswechsel in den Ernährungssystemen
  • Auf die positiven Wechselwirkungen zwischen Agrarökologie und Klimawandel geht Martin Herren (Co-Autor der Biovision-Klimastudie, s. Abschnitt oben) von Biovision in diesem Interview ein und erklärt die Zusammenhänge anschaulich anhand einer Infografik.

 

Wie hilft Agrarökologie beim Klimaschutz? Wie verstärkt Agarökologie die Widerstandskraft (Resilienz)? Die Infografik erklärt die Zusammenhänge und die entstehenden Synergien.

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