Aufbruchstimmung am Biovision-Symposium 2019


800 Gäste erfuhren im Volkshaus in Zürich, wie Biovision gemeinsam mit Partnern im In- und Ausland für eine ökologische Wende in der Landwirtschaft kämpft – und dabei gehörig Aufwind verspürt.


von Florian Blumer, Redaktor

  • Fruchtbare Zusammenarbeit: Loredana Sorg, Programmverantwortliche bei Biovision und Workneh Ayalew, Projektkoordinator icipe in Äthiopien.
  • Partnerschaft mit Herz: Rachel Owino von icipe Kenia mit Stefan Diener, Projektverantwortlicher bei Biovision.
  • Reger Austausch: im Foyer erhielten die Gäste Informationen zur Tätigkeit von Biovision-Mitarbeitenden.
  • Podium zur Zukunft der Landwirtschft mit Tina Siegenthaler, engagierte Bio-Bäuerin, Maya Graf, Nationalrätin und Biovision Stiftungsrätin, Marie-Claire Graf, Klimaaktivistin
  • Stabübergabe: Nach über 16 Jahren geht Andreas Schriber (rechts) als CEO bei Biovision, ab 1.1. 2020 übernimmt Frank Eyhorn.
  • Projektreporter Peter Lüthi stellte den Biovision-Wandkalender 2020 vor.

Am schönsten brachte es Tina Siegenthaler auf den Punkt: «Das hier hat extrem Kraft!», sagte die junge Bio-Bäuerin aus Dietikon ZH und Aktivistin für die Solidarische Landwirtschaft und zeigte mit der linken Hand in Richtung des Publikums. «800 Leute, die am gleichen Strick ziehen! Das macht Eindruck.»

Beeindruckt war auch Marie-Claire Graf, 23-jährige Klimaaktivistin der ersten Stunde aus Gelterkinden BL und jüngste Teilnehmerin der kommenden Klimakonferenz in Madrid. Sie meinte nach der Veranstaltung: «Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie viele verschiedene Leute hier zusammengekommen sind – und alle arbeiten an einer gemeinsamen Vision. Das Biovision-Symposium zeigt einzigartig, wie wir gemeinsam in die Zukunft schreiten können.»

Den Jungen nach!

Weltweite Klimademonstrationen, grosse mediale Aufmerksamkeit für ökologische Themen, historische Erfolge der grünen Parteien bei den Nationalratswahlen – es herrscht Aufbruchstimmung. Und diese war auch am jährlichen Anlass von Biovision im Zürcher Volkshaus deutlich zu spüren.

In der Podiumsdiskussion mit Tina Siegenthaler, Marie-Claire Graf und Bundesparlamentarierin, Bio-Bäuerin und Biovision-Stiftungsrätin Maya Graf zeigte sich auch Hans R. Herren hocherfreut, dass nun endlich eine Bewegung ins Rollen gekommen ist – etwas, das er sich schon lange erhofft habe. Der 72-jährige Biovision-Präsident und Co-Vorsitzende des Weltagrarrats sagt, wir müssten auf die Jugend setzen: «Greta und die Jungen rennen voraus – wir müssen ihnen hinterher.»

Gemeinsam für die ökologische Wende

Maya Graf erklärte, dass eine Bewegung für eine nachhaltige Landwirtschaft «von unten wie von oben, von der Seite, von überall her» kommen müsse, damit sie erfolgreich sein könne.«Und dies ist mit der Bewegung, die letztes Jahr begonnen hat, nun der Fall.»

Trotz aller Freude über die aktuellen Entwicklungen waren sich die Podiumsteilnehmenden aber auch einig, dass noch nichts gewonnen sei und noch viel Arbeit vor uns liege, wollen wir die ökologische Wende schaffen. Man ist sich einig: Dies ist nur gemeinsam möglich.


Die grüne Welle ist angerollt

Wer etwas Grosses erreichen will, braucht starke Partner. Dies gilt erst recht für die Projekte in Ostafrika, in denen sich Biovision seit über 20 Jahren dafür engagiert, dass Bäuerinnen und Bauern mit ökologischen Methoden genügend Nahrung produzieren können. Als Gäste am Symposium waren unter anderem Workneh Ayalew und Rachel Owino vom Internationalen Insektenforschungsinstitut icipe aus Ostafrika angereist, um gemeinsam mit ihren Partnern bei Biovision, Loredana Sorg und Stefan Diener, ihre Projekte vorzustellen: Bienenhaltung für Jungunternehmen in Äthiopien und Ausbildung und Beratung von Bäuerinnen und Bauern in Agrarökologie in Kenia. Workneh Ayalew hatte als junger Mann in Deutschland studiert, Rachel Owino war zum ersten Mal überhaupt nach Europa gereist.


Mit Biovision zusammenarbeiten – was heisst das?


Emotionaler Abschied

Einen bewegenden Schlusspunkt unter einen intensiven Nachmittag setzte die Verabschiedung des Biovision-CEOs und -Mitgründers Andreas Schriber. Denn Aufbruchstimmung herrscht auch innerhalb von Biovision: Andreas Schriber gibt Ende Jahr das Ruder ab und übergibt es Frank Eyhorn (s. Beitrag dazu im Biovision-Newsletter). Der renommierte Agrarökologie-Experte, den bei Biovision aus vergangenen Kooperationen viele bereits gut kennen, wurde im Herbst vom Stiftungsrat als Nachfolger gewählt. Andreas Schriber bleibt der Biovision-Flotte erhalten: Er berät ab nächstem Jahr Biovision Africa Trust bei ihrer Expansion.

Dass Partnerschaft auch innerhalb des Biovision-Teams gross geschrieben wird, wurde deutlich, als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Transparent ausrollten, auf welchem «Merci Andi» stand und dazu klatschten und johlten. Andreas Schriber bedankte sich bei allen Mitarbeiterinnen und Partnern. Am Schluss stockte ihm der Atem und schossen ihm Tränen in die Augen, als er seinen besonderen Dank derjenigen Partnerin aussprach, die ihn am engsten durch all die Jahre begleitete: seiner Frau Wanda.