Am Anfang wurde Mary belächelt

Nach jahrelanger Überdüngung gaben die Böden im kenianischen Kangare nichts mehr her. Die Investitionen zur Gesundung des Bodens und ihre Geduld, haben sich für Mary Wanjiru bezahlt gemacht. Ihr Gemüse ist nun kräftiger und geschmackvoller und die Familie gesünder.


«Als mein Schwager sah, wie ich Blätter zerkleinerte, um Kompost zu machen, da griff er sich an den Kopf», erinnert sich Mary Wanjiru, 67, aus Wakibugi, einem Dorf ganz in der Nähe von Kangare in Zentralkenia. «Er fand, es sähe ziemlich komisch aus.»

Überhaupt wurde Mary belächelt, als sie vor neun Jahren beschloss, ihren Hof und den Garten hinter dem Haus biologisch zu bewirtschaften. «Das Problem war, dass es am Anfang auch nicht richtig gut lief», sagt sie, «die ersten drei Jahre gab es kaum eine Veränderung. Ich fürchtete schon, die Leute, die mich auslachten, würden recht bekommen.»

  • Mein Gemüse ist heute kräftiger und hat mehr Geschmack
  • Hände schneiden Kräuter
    Frisches Gemüse aus Mary Wanjirus Garten. Bild: Patrick Rohr
  • Den Kompost für ihren Biogarten macht Mary aus Kuhmist, Eierschalen, Pflanzenresten und Asche. Bild: Patrick Rohr

Bekamen sie aber nicht: Mary hatte sich 2009 während der Informationskampagne von einer lokalen Partnerorganisation von Biovision überzeugen lassen, dass die Böden rund um Kangare vom jahrelangen Düngen mit chemischen Produkten vergiftet waren. «Man sagte uns, dass es nach der Umstellung einige Jahre dauern würde, bis sich die Böden erholen würden.» Marys Ruhe und Beharrlichkeit zahlten sich aus, das Gespött der Nachbarn ist vergeben und vergessen. Denn seit etwa fünf Jahren kocht Mary für ihre grosse Familie – sieben ihrer zwölf Enkelkinder wohnen auf dem Hof – Gemüse, das «viel kräftiger ist als früher und vor allem auch viel mehr Geschmack hat.» Und auch ihre Gesundheit hat sich verbessert: «Früher waren unsere Kinder, mein Mann und ich oft krank. Wir wussten nie, warum. Heute denke ich, dass das von den Chemikalien im Gemüse kam.»

Mary packt eine Schaufel und geht zum kleinen Stall etwas unterhalb des Wohnhauses. Sie kehrt den Mist ihrer beiden Kühe zusammen. «Den brauche ich für den Kompost», sagt sie und lächelt.

Der Schweizer Fotojournalist Patrick Rohr besuchte letztes Jahr einige Projekte von Biovision, darunter den "Langzeit-Systemvergleich", der ökologische und konventionelle Anbaumethoden systematisch und unter gleichen Bedingungen miteinander vergleicht. Mary Wanjiru ist eine von vielen Bäurinnen und Bauern, die von den Studienergebnissen und gewonnen Erkenntnissen profitiert. Seine Reiseerlebnisse hielt Patrick Rohr in Bild und Text im Biovision-Kalender 2019 fest.