«Ich wechsle das Schiff, aber nicht die Flotte»

Aus dem Leben von Andreas Schriber, Biovision Geschäftsleiter, Zürich*

Von Peter Lüthi, Biovision

In Madagaskar nannten sie ihn «Courant d’air», den Durchzug. Das war 1991, Andreas Schriber leitete für den WWF in Antananarivo die Ausbildung eines lokalen Redaktionsteams der Zeitschrift Vintsy zu Ökologie und Waldschutz. Der Spitzname von damals passt sowohl zu Schribers Wesen als auch zu seinem Werdegang.

Der Lausbub aus dem Zürcher Oberland absolvierte eine Lehre als Schriftsetzer und bildete sich anschliessend zum Journalisten weiter. Damit konnte er zwei Begabungen vereinen: das Gestalten und das Schreiben. Nach Lehr- und Wanderjahren als Redaktor und Fotograf in Zürich und Montreux stellte Schriber 1984 eine entscheidende Weiche: Er wurde Produzent der Publikationen des WWF Schweiz in Zürich. Die hitzigen Debatten um Waldsterben, Atomenergie und Gentechnologie schärften sein Gespür für Kommunikation und Politik. Damals entdeckte er auch seine Liebe zu Afrika.

Nach engagierten Jahren als Umweltschützer erfüllte er sich einen Traum und segelte auf einem alten Zweimaster von der Karibik in die Südsee, nach Französisch-Polynesien. Später heiratete er, wurde Vater eines Sohnes und wechselte zum Schweizer Fernsehen als Wissenschaftsredaktor bei «Menschen Technik Wissenschaft». Hier drehte er auch den Film über den erster Schweizer Welternährungspreisträger Hans Rudolf Herren. Damit trafen zwei visionäre Macher aufeinander, die sich gut verstanden und ähnliche Ideale teilten. Gemeinsam entwickelten sie die Idee einer Organisation, die sich gleichsam für ein besseres Leben der Menschen als auch für die Erhaltung der Umwelt einsetzen sollte. 1998 gründeten sie mit Gleichgesinnten Biovision.

2003 übernahm Schriber die Geschäftsleitung der jungen Organisation. Damit trat ein tatkräftiger, inspirierter und weitsichtiger Pionier an die Spitze der Stiftung für ökologische Entwicklung. Getreu seinem Leitspruch «Taten statt Worte» führt er Biovision seither unermüdlich, zielsicher und mit viel Gespür für Neues. «Biovision füllt wichtige Lücken am Schnittpunkt von Umweltschutz und Entwicklungszusammenarbeit. Wir beschreiten neue Wege und schaffen Mehrwert für alle Beteiligten», sagt er.

Schriber verfügt über die Gabe, entscheidende Entwicklungen vorauszusehen und den Kurs früh genug richtig zu wählen. Ist er überzeugt von der Richtung, peilt er seine Ziele äusserst effizient an und ist kaum zu stoppen. Mit ihm auf der Kommandobrücke hat sich die Stiftung zu einer schlagkräftigen und anerkannten Organisation entwickelt.

Biovision steht heute dank grosser Gönnerschaft und starken Partnern auf einem soliden Fundament. Ein idealer Zeitpunkt für den Kapitän, den Wind zu prüfen und die Segel neu zu setzen. Deshalb verlagert Andi Schriber 2020 seine Tätigkeit in den Ausbau der Schwesterorganisation von Biovision in Ostafrika, den Biovision Africa Trust. Damit schafft er Raum für die nächste Generation im Führungsteam von Biovision in Zürich. «Ich wechsle das Schiff, bleibe aber der Flotte erhalten», schmunzelt er.

*Dieser Text erschien erstmals in der Märzausgabe unseres Print-Newsletters (Seite 6)