Stopp Malaria

Umweltfreundliche und nachhaltige Malariaprävention in Ostafrika

Allein in Afrika sterben pro Jahr über eine halbe Million Menschen an der von Stechmücken übertragenen Krankheit Malaria. 90% der malariabedingten Todesfälle betreffen Ostafrika, wobei gerade Kenia und Äthiopien sehr hohe Ansteckungsraten verzeichnen. In den Biovision-Projekten wird die gefürchtete Tropenkrankheit mit einem umweltfreundlichen Ansatz, dem sogenannten „Integrated Vector Management“ (IVM) erfolgreich bekämpft. An erster Stelle steht die Aufklärung der Bevölkerung über die Herkunft der Krankheit, über die Gefahr von stehenden Gewässern und über den wirksamen Einsatz von Moskitonetzen für Betten und Fenster. Das geschieht in Schulen sowie auf Märkten und Dorfplätzen mit populären Mitteln wie etwa Puppentheatern. In Zusammenarbeit mit den Betroffenen werden in Siedlungsnähe Gräben zur Entwässerung von Tümpeln angelegt, Lehmlöcher eingeebnet und weitere potenzielle Brutherde der Anopheles-Mücken trockengelegt. Wo dies nicht möglich ist, weil Gewässer zum Beispiel als Wasserspeicher dienen, überwachen spezifisch ausgebildete Moskito-Scouts die potenziellen Brutgebiete. Bei Bedarf behandeln sie diese mit dem umweltverträglichen Bakterium Bti, das die unerwünschten Insekten bereits im Larvenstadium abtötet.

Projektziel

Durch die integrierte Vektorkontrolle (IVM) zur umweltfreundlichen Malaria-Bekämpfung werden die Gesundheit, die Ernährung und Ernährungssicherheit, die Umweltbedingungen und das Einkommen von Bevölkerungsgruppen in Ostafrika verbessert.

Stehende Gewässer nahe der Wohngebiete sind für die Anopheles-Larven optimale Brutstätten. Die daraus entstehenden Mücken stellen ein grosses Malaria-Ansteckungsrisiko für die lokale Bevölkerung dar.
Durch regelmässige Wasserproben werden die Brutgebiete auf die Anzahl vorhandener Mückenlarven überprüft. Ziel ist, dass die Larven erst gar nicht ausschlüpfen und damit die Anzahl Mücken reduziert werden kann.

Relevanz

Die Pilotprojekte von Biovision haben gezeigt, dass umweltfreundliche und kostengünstige Präventionsmethoden, die von der lokalen Bevölkerung mitgetragen werden, wirkungsvoll im Kampf gegen Malaria sind. In Kombination mit verbesserten Gesundheitsdiensten haben die Präventionsmassnahmen dazu beigetragen, dass die Malariainfektionen beispielsweise in Malindi (Kenia) in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind. Zusätzlich erhält die lokale Bevölkerung Möglichkeiten der Einkommenssteigerung.

Begünstigte

Die Bevölkerung der Projektgebiete in Nyabondo und Malindi (Kenia) sowie Tolay (Äthiopien), mit insgesamt rund 278’500 Menschen, profitiert von der integrierten Malaria-Kontrolle durch ein reduziertes Mückenvorkommen und durch ein umfassenderes Wissen über die Krankheit sowie dem Schutz davor. Direkt in die Projektaktivitäten einbezogen sind rund 67‘000 Personen, welche als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ihr Wissen weitergeben können.

Die Aufklärung der Bevölkerung ist ein zentraler Bestandteil des Projekts.

Massnahmen 2016-2018

In der Phase 2016-2018 liegt ein besonderes Augenmerk auf der Nachhaltigkeit der IVM-Aktivitäten: Die aufgegleisten IVM-Aktivitäten, Strukturen und involvierten Personen werden so organisiert, dass eine langfristige, effektive und umweltfreundliche Malaria-Prävention ermöglicht wird.

  • 50% Reduktion der Population von Malaria übertragenden Mücken in den Projektgebieten
  • 50% Reduktion von Ansteckungen in den Projektgebieten
  • 10% Einkommenserhöhung der partizipierenden Haushalte
Wenn immer möglich werden in den Projektaktivitäten

Bisher Erreichtes

Rund 73‘000 Einwohnerinnen und Einwohner in den Projektgebieten wurden durch Informationsveranstaltungen

und Workshops sensibilisiert. Die Mückenpopulationen wurden wöchentlich überwacht, potentielle Brutstätten entwässert oder mit natürlichen Insektiziden behandelt. In Nyabondo (Kenia) wurden dafür sogar Entwässerungskanäle in der Länge von 4‘500m ausgehoben, um stehende Gewässer zu eliminieren.

Um IVM-Aktivitäten auch in den lokalen Strategien der Behörden zu verankern, wurde in Kenia und Äthiopien Treffen mit politischen Entscheidungsträgern der betreffenden Behörden abgehalten. Ausserdem haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler desicipe in Nairobi zwei natürliche Biopestizide gegen Anopheles-Larven getestet, die sich als wirksames Mittel erwiesen, um von Larven befallene Gewässer zu behandeln.

Als einkommensfördernde Massnahme wurde die Fischzucht in Nyabondo weiter gefördert. 19 Fischteiche wurden mit jeweils 800 Speisefischen versehen, die sich von den Moskitolarven ernähren.

Zusätzlich wurden 20‘000 Baumsetzlinge für lokale Bäuerinnen und Bauern gezüchtet, aus welchen natürliche Insektizide gewonnen werden.

Zusätzliche Informationen zu IVM

Biovision unterstützt Projekte, in denen das Problem an der Wurzel angepackt wird. Der Ansatz des IVM umfasst eine Palette verschiedener Präventionsmassnahmen. Dabei steht nicht die Behandlung der Krankheit im Vordergrund, sondern die Bekämpfung der Insekten als Krankheitsüberträger (Vektoren).

Die Devise lautet: Je weniger infizierte Stechmücken, desto weniger Malaria. Je weniger Mücken sich entwickeln bzw. sich mit dem Krankheitserreger infizieren, desto kleiner die Zahl der menschlichen Opfer.

Natürlich bleibt der medizinische Ansatz für erkrankte Menschen notwendig und die Entwicklung wirksamer Impfstoffe oder anderer medizinischer Lösungen äusserst erstrebenswert. Aber die Reduktion von Malaria-Ansteckungen mit präventiven Massnahmen reduziert den Druck auf die medizinische Versorgung, die in den betroffenen Ländern oft unter Kapazitätsengpässen leidet.