Fruchtfliegenkontrolle

Bessere Mangoerträge dank integrierter Schädlingskontrolle in Kenia und Äthiopien

In Kenia sorgen Fruchtfliegen für grosse Ertragseinbussen bei den Mangos. Die Schädlinge können jedoch mit einer innovativen Kombination umweltfreundlicher Massnahmen kontrolliert werden (Integrated Pest Management, IPM). Dazu gehören die konsequente Entfernung befallener Mangos, die Überwachung der Fliegenpopulation und die gezielte Bekämpfung mit Duftfallen. Wichtig ist dabei die biologische Kontrolle der Insekten mit Biopestiziden oder natürlichen Feinden. Letzteres geschieht mit Schlupfwespen, die ihre eigenen Eier in die Brut der Mango-Schädlinge legen. Die Wespenlarven befallen die Eier bzw. die Larven der Fruchtfliegen und dezimieren so deren Bestand. Im Rahmen des Projekts werden die Wespen gezüchtet und in den Mango-gärten ausgesetzt. Die Bäuerinnen und Bauern lernen dann, die Wespen in ihren Baumgärten anzusiedeln. Mit IPM können die Fliegenpopulationen in Schach gehalten und die Qualität und Quantität der Ernte markant gesteigert werden.

Dr. Samira A. Mohamed des Projektteams auf Besuch bei einer Bauernfamilie, wo sie befallen Früchte inspiziert und die Bauernfamilie über die Fruchtfliegen informiert.

Projektziel

Verbesserung der Nahrungssicherheit und Einkommenssituation der Bäuerinnen und Bauern in den Projektgebieten durch die Stärkung und Verbreitung von umweltfreundlichen integrierten Methoden zur Bekämpfung der Fruchtfliege.

Relevanz

Die Mango-Produktion hat in den letzten Jahren in Kenia an Bedeutung gewonnen und stellt eine wichtige Nahrungsquelle dar. Die Früchte sind gefragt und bilden eine gute Verdienstmöglichkeit für Kleinbäuerinnen und -bauern. Aufgrund der strengen Quarantänebestimmungen werden Früchte, die von Fruchtfliegen befallen sind, für den Export gesperrt und die Landwirte damit von diesem Markt ausgeschlossen.

Im Kampf gegen die Fruchtfliegen-Invasion stehen die Mango-Produzentinnen und -Produzenten mit konventionellen Massnahmen vor einem scheinbar unlösbaren Problem.

Begünstigte

2‘870 Mango Produzentinnen und Produzenten profitieren direkt von höheren Mangoernten sowie einer verbesserten Qualität ihrer Produkte, was zu einer Einkommensverbesserung und zu Exportmöglichkeiten führt. Der Frauenanteil liegt mit 800 Mangobäuerinnen bei 30% der direkt Begünstigten. Unter den Begünstigten werden 25 Landwirtschaftliche Berater, 37 Mitarbeiter des National Agricultural Research System „NARS“ und 8 weitere Mitarbeiter (Quarantine Officers) in Bezug auf die IPM (Integrated Pest Management) Technologie geschult und profitieren so vom zusätzlichen Wissen. Weiter profitieren 12‘200 Personen von der verbesserten Nahrungssicherheit. Davon profitieren 5‘700 Personen, welche im Kleinhandel, in der Verarbeitung und im Export tätig sind indirekt von zusätzlichen Arbeitsplätzen. 

Massnahmen 2016 – 2017

  • Systematische Erfassung der von Fruchtfliegen verursachten Schäden an Mangos in den Projektorten in Kenia und Äthiopien
  • Durchführung von Demonstrationen von IPM-Aktivitäten sowie laufende Überprüfung und Anpassung dieser Aktivitäten in den Projektregionen
  • Produktion und Freisetzung von Wespen, welche als natürliche Feinde die Fruchtfliegenpopulation in den Projektgebieten dezimieren
  • Möglichkeiten zur Erweiterung der IPM-Aktivitäten eruieren und umsetzen sowie durch Good Agricultural Practices (GAP) die Möglichkeiten von Mango-Wertschöpfungskette verstärken

Bisher Erreichtes

Die wöchentliche Produktion von 7‘500 (F.arisanus) und 9‘000 (D. longicaudata) Schlupfwespen ermöglichte die nötige Freisetzung der Nützlinge in den Projektgebieten.

Auf den Feldern wurden zudem Fruchtfliegenfallen mit Lockstoffen ausgesetzt, welche regelmässig kontrolliert und auf den Bestand der gefangenen Fliegen überwacht werden.

In den Projektregionen Embu West und Machakos wurden 4 neue Standorte für Trainings und zu Demonstrationszwecken an gut erreichbaren Orten für die umliegenden Bäuerinnen und Bauern etabliert, auf welchen „Farmer Field Days“ (praktische Trainings zu den Techniken von IPM) abgehalten werden können. Insgesamt konnten so im 2015 bereits 1‘608 Bäuerinnen und Bauern in den Methoden von IPM geschult und mit Informationsmaterialien ausgerüstet werden. Zusätzlich wurden 38 Trainer des NARS (National Agricultural Research System) in IPM ausgebildet und können nun als ToT (Trainer of Trainers) ihr Wissen weitergeben. Zur Unterstützung der Verbreitung von IPM wurden zum Start der Mangosaison im Oktober 1‘608 IPM Startpakete mit Fliegenfallen, zwei Duftstoffrationen und Informationsmaterialien an Mangobäuerinnen und –bauern verteilt. Im 2015 wurden rund 20 Personen von 4 verschiedenen Bauerngruppierungen in „Good Agricultural Practices“ (GAP) geschult. Zusätzlich wurden sie über die Grundlagen der Vermarktung ihrer Früchte informiert mit Fokus auf der Preisbildung, Verkaufsplanung sowie allgemeinen Marktinformationen.

Übergabestrategie

Die Züchtung und Freisetzung der Nützlinge benötigen intensive technische Betreuung und Beratung. Die Freigesetzten Nützlinge vermehren und verbreiten sich anschliessend jedoch selbstständig. Sie benötigen keine zusätzliche Pflege. Die Bäuerinnen und Bauern müssen lediglich sicherstellen, dass der Lebensraum der Nützlinge nicht durch Pestizide oder andere äussere Einflüsse negativ Beeinflusst wird.

Zusätzlich wird in den kommenden Projektphasen die Bildung von Partnerschaften zu zielverwandten Anspruchsgruppen ausgebaut sowie intensiviert. Es soll garantiert werden, dass Netzwerke aufgebaut sind, welche einen Wissens- und Erfahrungsaustausch gewährleisten. 

Zusätzliche Informationen

Informationen zum Projekt können über die neu erstellte Website zur afrikanischen Fruchtfliege eingesehen werden (www.icipe.org/africanfruitfly). Innerhalb des Fernsehprogrammes "Shamba shape up" (www.shambashapeup.com) wurden die Projektaktivitäten bereits portraitiert. Die Sendung erreicht durchschnittlich mehr als 10 Millionen Zuschauer in Ostafrika.