International

KWL - Kurswechsel Landwirtschaft

Realisierung politischer Rahmenbedingungen für eine global nachhaltige Landwirtschaft

Die Vision, in welcher für alle Menschen genügend und gesundes Essen in einer gesunden Umwelt da ist, muss die Landwirtschaft und das gesamte Nahrungssystem im Kern berücksichtigen. Heutige Nahrungssysteme sind von Produktionsüberschüssen und Lebensmittelabfällen, unnachhaltigen Landwirtschaftspraktiken und der Marginalisierung von Kleinbauern und -bäuerinnen gekennzeichnet. Ebenso tragen sie zu schweren sozialen und Umweltproblemen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Bodendegradation, Arbeitslosigkeit, Armut und Ernährungsunsicherheit bei. Der von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebene International Assessment of Agriculture, Science, Knowledge and Technology for Development (IAASTD-)Bericht befand im Jahr 2008, dass ein Übergang zu nachhaltiger Landwirtschaft und Nahrungssystemen ausreichende und gesunde Ernährung für alle ermöglichen kann, während gleichzeitig natürliche Ressourcen geschützt werden. Obwohl eine nachhaltige und widerstandfähige Landwirtschaft und entsprechende Nahrungssysteme heute bereits bestehen, verhindern aktuelle ökonomische und politische Rahmenbedingungen deren Vormarsch zum „Mainstream“. Deswegen ist ein Kurswechsel in der globalen Landwirtschaftspolitik dringend nötig.

Ziel

Bessere Ernährungssicherheit und Lebensbedingungen im ländlichen Raum sowie nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen durch die Einführung von Politiken für nachhaltige Landwirtschaft und Nahrungssysteme, basierend auf den Erkenntnissen des International Assessment of Agriculture, Science and Knowledge for Development (IAASTD).

Am High Level Political Forum in New York im Juli 2016 organisierte Biovision gemeinsam mit der Regierung von Senegal, dem SDSN und IDDRI einen Side-Event zu “National transformative pathways to achieve SDG 2”.

Ansatz

Das KWL-Programm setzt sowohl auf der internationalen als auf der nationalen Ebene an, um politische Veränderungsprozesse hinzu nachhaltiger Landwirtschaft und Nahrungssystemen auszulösen. Unserem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass nationale Strategien, Politiken und Projekte im Bereich Landwirtschaft und Nahrungssysteme nicht etwa isoliert entwickelt und umgesetzt werden, sondern stark durch globale Politikprozesse und -entscheidungen beeinflusst werden. Globale Politik wiederum wird entscheidend von den Interessen von Regierungen oder anderen einflussreichen Anspruchsgruppen geprägt.

Für unsere Arbeit wenden wir folgende Methoden an:

  • Inklusive Politikdialoge: Wir beteiligen uns an oder organisieren selbst inklusive Politikdialoge um Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Bauernorganisationen und der Forschung zu erreichen und deren Austausch zu fördern. In diesen Multi-Stakeholder-Settings werden mögliche Transformationspfade hinzu nachhaltiger Landwirtschaft sowie Ernährungssicherheit diskutiert und entwickelt.
  • Integrierte Politikplanung: Wir arbeiten in Partnerschaft mit Regierungen, um sie in der Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaftspolitiken zu unterstützten. Dafür verwenden wir das auf Systemdynamik basierende Planungsmodell T21 / iSDG, um integrierte und langfristige Politikszenarien zu entwickeln. Ausserdem ist das Tool gerade im Hinblick auf die Umsetzung der SDGs bis 2030 von sehr grossem Nutzen.
  • Systemisches Denken: Durch Ausbildungskurse und den Ausbau des Angebots in Systemdynamik bei nationalen Universitäten fördern wir systemisches Denken und evidenzbasierte Entscheidfindung über die mittlere/lange Frist. Der KWL-Ansatz ist in allen Ländern anwendbar (Norden und Süden).

Projektziele bis 2017

Ziel 1: Das CFS trägt zum Monitoringprozess im Anschluss an die Agenda 2030 (Nachbereitung und Überprüfung) bei, unter anderem durch die Förderung seines Multi-Stakeholder Mechanismus.

Ziel 2: Stärkung des Links zwischen dem CFS in Rom und dem High Level Political Forum (HLPF) in New York (unterstützend zu Ziel 1).

Ziel 3: Ein verbesserter Politikdialog und eine integrierte Politikplanung tragen in mindestens zwei Ländern (Kenia und Senegal) zur Formulierung von nationalen Landwirtschaftspolitiken und –strategien bei, welche in der langen Frist eine nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung fördern.

Auf zu neuen Horizonten: Im Jahr 2017 wird das Anwaltschaftsteam von Biovision eine Vorbereitungsphase für zwei neue Projekte angehen. Einerseits werden wir uns für die Stärkung der wissenschaftlichen Evidenz und somit der Akzeptanz der Agrarökologie einsetzen, andererseits werden wir uns mit landwirtschaftspolitische Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und dessen Folgen auseinandersetzen. Mehr Informationen dazu bald.

Bisher Erreichtes

Bisher Erreichtes in Kenia und Senegal

Die Ausbildung von Anspruchsgruppen stellt eine der Kernaktivitäten in Kenia und Senegal dar. Hier ist Model-liererin Gunda Zuellich mit einem Mitglied des techni-schen Teams in Kenia an der Arbeit.

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  • Mehrere Multi-Stakeholder Workshops fanden unter Einbezug verschiedener Akteure des Nahrungssystems statt, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Regierung, Forschung, Bauernstand, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen. Diese Gruppen trugen entscheidend zur Aufbereitung des Modells auf den spezifischen Länderkontext bei, werteten gemeinsam Erkenntnisse des Modells aus und formulierten darauf basierende Politikempfehlungen.

  • Technische Teams der Landwirtschafts- und Planungsministerien sowie Repräsentanten der Zivilgesellschaft wurden an der Universität Bergen (Norwegen) in integrierter Politikplanung ausgebildet. Darüber hinaus wurden in Addis Abeba und Rom spezialisierte Vertiefungskurse angeboten. In Senegal wurde zudem eine Partnerschaft mit der Ecole Nationale de la Statistique et d’Analyse Economique (ENSAE) aufgebaut, welche zukünftig systemdynamisches Modellieren / T21 als festen Bestandteil des Curriculums anbieten wird.

  • Das ausgebildete Verwaltungspersonal arbeitet in speziellen Politikplanungseinheiten innerhalb der Regierungen und berät diese in der Entwicklung integrierter Politiken und Strategien der nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. In Senegal wurde eine Analyse des umfassenden Landwirtschaftspolitikprogramms 2014-2017 (PRACAS) mithilfe des T21 Modells durchgeführt, welche wiederum als Grundlage für Politikempfehlungen diente.

  • Wir arbeiten mit lokalen Partnerorganisationen in beiden Ländern zusammen: Mit dem Biovision Africa Trust in Kenia sowie der Initiative Prospective Agricole et Rural (IPAR) in Senegal. Darüber hinaus nahm das KWL am ersten Afrika-weiten Symposium zu Agrarökologie im Jahr 2015 teil.

...in internationalen Verhandlungen

Michael Bergöö (rechts) von Biovision im Gespräch mit einem Delegierten aus Italien über die Stärkung der Rolle des CFS in der Agenda 2030.

» Neuste internationale KWL-News

  • Das KWL war aktiv an den Verhandlungen zu drei grossen internationalen Verträgen beteiligt: Rio+20 Konferenz (2012), Agenda 2030 (2015) sowie Addis Ababa Action Agenda (zu Entwicklungsfinanzierung, 2015). Im Besonderen im Themenbereich des SDG 2 („Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“) stellten wir Delegationen und Entscheidungsträger evidenzbasierte Informationen bereit und organisierten u.a. einen High-Level Roundtable zu „Food and Nutrition Security through Sustainable Agriculture and Food Systems in the post-2015 Agenda“. Die SHIFT-Message, welche aus diesem Event resultierte, wurde von vielen Delegationen in den Verhandlungen aufgenommen und eingebracht.

  • Beim CFS in Rom trug das KWL entscheidend zu den Beratungen hinsichtlich der Rolle des CFS bei der Umsetzung der Agenda 2030 bei, insbesondere durch bilaterale Treffen mit Verhandlungsführern, der Verbreitung von Policy Briefs sowie der Organisation von Side-Events. Wiederholt wurden beim CFS zudem Erfahrungen und erfolgreiche Praktiken aus den Pilotländern Kenia und Senegal vorgestellt, z.B. am runden Tisch während der alljährlichen CFS Plenarveranstaltung im Oktober.