Ökologische Kaffeeproduktion in Rongo

Verbesserte Lebensbedingungen dank Permakulturen im Kaffeeanbau

-> Aktuelle Projektnews im Biovision Newsletter Nr. 43

Das Projekt liegt in Rongo, Migori County, im Südwesten Kenias. Das Gebiet profitiert von ergiebigen Niederschlägen mit zwei Regenperioden pro Jahr und Temperaturen zwischen 21 und 35°C. Es hat fruchtbares Land und somit ein grosses Potential für eine Vielzahl von marktorientierten Produkten wie Kaffee, Zuckerrohr, Tabak, Bananen und Gartenpflanzen wie Erdnüsse und Gemüse. Doch Armut ist in Migori County weit verbreitet und die Bevölkerung leidet unter einer hohen HIV/AIDS Infektionsrate. Zudem ist die Bevölkerung folgenden erschwerenden Faktoren ausgesetzt: Abnahme der Bodenfruchtbarkeit, schwer zugängliches Wissen zu landwirtschaftlichen Anbaumethoden, beschränkte finanzielle Mittel, Nachernteverluste, schlechter Marktzugang, geschlechter-spezifische Benachteiligung und Klimawandel.

Sinkende Kaffeepreise zwangen die Bäuerinnen und Bauern in der Vergangenheit auf Grund von besseren Einkommensaussichten auf Zuckerrohr umzusteigen. Doch auch als Zuckerrohrproduzenten waren die Bäuerinnen und Bauern starken Preisschwankungen  ausgesetzt und wurden von den Zuckerfabriken nicht angemessen bezahlt. Auf Grund dieser aussichtslosen Lage haben viele Bäuerinnen und Bauern die Landwirtschaft aufgegeben, was wiederum viele Haushalte in der Region jeglichen Einkommens beraubte.

Ein Kaffeebauer in seinem Feld 2015.

Projektziel

Das Projekt soll einen Beitrag leisten, um das Einkommen und die Ernährungssicherheit von Kaffeebäuerinnen und –bauern langfristig zu verbessern und zu sichern. Mittels permakultur-basierten Produktionsmethoden soll somit auch die Regeneration der Umwelt und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft gestärkt werden.

Relevanz

Dieses Projekt will die biologische Kaffeeproduktion reaktivieren und die Entwicklung von ökologischen Kleinunternehmen unter Anwendung von Permakulturmethoden optimieren. Dies fördert den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und eine gesunde Umwelt und ermöglicht den Bäuerinnen und Bauern ein beständiges Einkommen.

Bauernfamilien werden unterstützt eine effizientere und finanziell attraktivere Kaffeeproduktion aufzubauen und zu unterhalten. Diese ist gleichzeitig umweltfreundlich und berücksichtigt auch soziale Aspekte. Dabei wird ein Permakultur-basiertes biologisches Anbausystem mit Schattenkaffee  und anderen Kulturpflanzen errichtet. Dieser integrierte „Food Forest“ ist ein funktionierendes Ökosystem und wahrt die Gesundheit der Pflanzen, Böden und Menschen. Die kostengünstige Produktionsmethode kombiniert lokale Traditionen und ökologische Innovationen in der Kaffeeproduktion. Dies kommt der Umwelt zugute und verbessert die Widerstandfähigkeit der lokalen Gemeinschaften und somit auch die Lebensqualität aller Beteiligten in diesem Produktionssystem – in Harmonie mit den Permakultur-Prinzipien und dem ganzheitlichen 4G Ansatz von Biovision.

Dieses Projekt ist Teil des Programms der lokalen Organisation „Permaculture Research Institute Kenya“ (PRI Kenya) welche zum Ziel hat, ein realisierbares Modell für eine ressourceneffiziente ökologische Landwirtschaft zu entwickeln. Im Rahmen der  der laufenden Projektphase, finanziert durch den SLush Fund US (Lush ist eine internationale Ladenkette mit nachhaltigen Produkten, die auch  nachhaltige Projekte unterstützt) und die Stiftung Biovision, werden 35 Kaffeeplantagen des Rongo Kaffeebauern-Vereins mit Samen, Werkzeugen, Ausbildung und der Installation einer elementaren Kaffeeverarbeitungsinfrastruktur unterstützt.

Begünstigte

35 Kaffeeplantagenbesitzer profitieren direkt vom Projekt. Dazu kommen 175 Haushalte mit insgesamt 875 Menschen mit direktem Bezug zu diesen Plantagen. Weitere 3‘900 Menschen von verschiedenen Bauerngruppen in der Region werden indirekt von den besseren Verarbeitungs- und Marketingmöglichkeiten profitieren.

Projektziele und Massnahmen 2016 - 2017

Das Ziel dieses Projekts ist die Übernahme nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden durch die Bäuerinnen und Bauern zu fördern und die Prinzipien der Permakultur umzusetzen. Dieser Permakulturansatz verbessert die Produktivität und die Qualität der Kaffeeplantagen und verbessert damit das Einkommen und die Ernährungssicherheit der Bäuerinnen und Bauern durch die Diversifizierung der Produktion und die Etablierung eines funktionierenden ökologischen Unternehmens mit Marktzugang.

Die Bäuerinnen und Bauern werden von Fachkräften ausgebildet und im Aufbau von Mischkulturen aus biologischem Kaffee und Feldfrüchten, wie zum Beispiel Bananen, Bohnen und Kräuter, unterstützt.  Dieses integrierte System bietet gesunde Nahrung und diversifiziert die Einkommensquellen. Die Nachhaltigkeit dieses Produktionssystems wird durch gegenseitig nutzbringende ökologische Leistungen gefördert: Schatten und Bodenbedeckung, Nährstoffzyklus, Stickstofffixierung, Windschutz, bessere Qualität des Viehfutters und höhere Erträge.

Salina Ngere, Expertin in Kaffeequalität, demonstriert das Mahlen und die Röstung von Kaffee von Hand.
Permakultur-basierter Anbau verbessert die Kaffeeernten und damit das Einkommen, regeneriert die Umwelt und stärkt die Widerstandskraft der Gemeinschaft.

Das Projekt unterstützt die Bäuerinnen und Bauern in der Anpassung an den Klimawandel durch die Verbreitung von geeigneten landwirtschaftlichen Methoden, welche die Bodenerosion vermindern, die Wasserspeicherung erhöhen, die Bodenfruchtbarkeit verbessern und die Produktion durch diversifizierten Anbau optimieren. Die Bäuerinnen und Bauern erhalten auch Unterstützung bei der Zertifizierung ihrer Produkte. Die Etablierung interner Qualitätssicherung und standardisierter Kontrollsysteme ist ein integrierter Bestandteil des Projekts. Die Bauernkooperativen zu stärken trägt zudem dazu bei, dass deren Mitglieder ihre Ressourcen gemeinsam nutzen und sich gegenseitig in der Umsetzung der Methoden unterstützen.

Das Projekt zielt gleichzeitig darauf, ab die marktorientierte Produktion zu verbessern und die Fähigkeit der Bäuerinnen und Bauern zur Wertsteigerung von biologischen Produkten zu stärken. In diesem Zusammenhang werden auch Verbindungen zu Verkaufsstellen von biologischen Produkten hergestellt. Die Marktchancen für hochwertig verarbeiteten biologischen Kaffee steigen mit wöchentlichen Bio-Märkten in Nairobi, Kisumu und Mombasa. Die höheren Preise für biologische Produkte werden den Bäuerinnen und Bauern zusätzliche Anreize bieten, ihren nachhaltigen Anbau weiter zu entwickeln und die Umwelt entsprechend zu schonen. Hinzu kommt, dass PRI Kenya versucht, die kenianische Firma Dormans Coffee für die Vermarktung von biologischem Kaffee aus Rongo zu gewinnen.