Langzeit-Systemvergleich

Ökologischer Landbau in den Tropen auf dem Prüfstand


-> Aktuelle News zum Projekt vom 30. Juni 2016

In einer langjährigen Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, FiBL, werden ökologische und konventionelle Anbaumethoden in den Tropen systematisch und unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen. Das von Biovision unterstützte Projekt in Kenia ist Teil einer grösseren Versuchsreihe, die gleichzeitig auch in Indien und Bolivien durchgeführt wird. Dabei werden die Einflüsse der beiden Bewirtschaftungsmethoden untersucht, etwa auf das Pflanzenwachstum, den Ernteertrag, die Qualität und Haltbarkeit von Feldfrüchten oder auf die Bodenfruchtbarkeit. Mittlerweile gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ökologische Anbaumethoden - je nach Bodenfruchtbarkeit, Regenmenge oder Entwicklungsstadium der Nutzpflanzen - Vorteile aufweisen können.

In einer speziellen Projektkomponente suchen Bäuerinnen und Bauern gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen nach angepassten Lösungen für Probleme, die sich in der Praxis stellen. Diese werden getestet, ausgewertet und fliessen zurück in den wissenschaftlichen Langzeitvergleich.

Feldversuche zeigen, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Anbaumethoden auf die Qualität, die Quantität und die Haltbarkeit von Felderträgen und auf die Bodenfruchtbarkeit haben.

Relevanz

Die ökologische Landwirtschaft eröffnet neue Möglichkeiten in der nachhaltigen Entwicklung des globalen Südens. Beständige Erträge ohne Zugabe von teurem Kunstdünger, gesunde Böden und die Erhaltung der Biodiversität sind wichtige Faktoren. Mit diesem Projekt wird erstmals wissenschaftlich, systematisch und langfristig untersucht, ob und wie genau die ökologische Landwirtschaft zur Nahrungssicherheit und nachhaltigen Entwicklung in tropischen Ländern beitragen kann. Die Projektresultate sollen allen Interessierten als Entscheidungsrundlage für die Wahl der für sie geeigneten Anbaumethoden dienen und bestätigen den Ansatz von Biovision für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Begünstigte

In Kenia profitieren 200 Bäuerinnen und Bauern direkt von der landwirtschaftlichen Technologie-Entwicklung durch ihre Teilnahme an den Versuchen, die von einer fundierten Weiterbildung begleitet werden. Weitere 1'000 Bäuerinnen und Bauern, WissenschaftlerInnen, Studierende, sowie VertreterInnen von Behörden und NGOs werden im Rahmen öffentlicher Feldtage in nachhaltiger Landwirtschaft weitergebildet.

Ziele 2015 bis 2018

  • Weitere Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Beitrag des ökologischen Landbaus zur nachhaltigen Entwicklung dank gut geführter Langzeitversuche
  • Weite Verbreitung der Projektresultate über die Medien, unter anderem durch die laufende Publikation der Produktivitätsdaten
  • Fundierte wissenschaftliche Vergleichsdaten bezüglich Chancen und Risiken für den konventionellen und den ökologischen Landbau werden von wichtigen Stakeholdern genutzt, sowohl national wie global
  • Entwicklung von lokal angepassten Technologien und Förderung von Innovationen, die zu einer langfristigen und nachhaltigen Erhöhung der Erträge bei Bäuerinnen und Bauern führen

Bisher Erreichtes

Im Juni 2016 wurden die ersten Resultate der Studie in Kenia der Öffentlichkeit präsentiert. Sie zeigt, dass biologische Landwirtschaft nicht nur vergleichbare Erträge bringt, sondern für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern auch ein höheres Einkommen generieren kann. Ein weiterer wichtiger Faktor der analysiert wird ist die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei biologischen Anbaumethoden. Hinzu kommt, dass die Absenz von chemischen Inputs positive Effekte auf das Ökosystem hat und auch die Gesundheit der Menschen verbessern kann, da keine chemischen Rückstände auf den Lebensmitteln sind. Parallele Studien in Indien zur Produktion von Baumwolle und in Bolivien zu Kakao zeigen ähnlich positive Resultate für biologische Methoden. In Indien kann biologischer Anbau mit weniger Kapital realisiert werden, was die Abhängigkeit von Krediten und die Gefahr von Schulden reduziert. Die Stabilität der Produktionskosten und Einnahmen beim Bio-Landbau können somit langfristig zur Armutsbekämpfung beitragen, insbesondere in Kombination mit Premium-Preisen für den Bio-Anbau.

Zusätzliche Informationen

Bäuerinnen und Bauern in Kenia werden durch die Bauernzeitung The Organic Farmer (TOF) und via TOF-Radio über Resultate aus dem Systemvergleich informiert. Im Rahmen der drei Projektstandorte in Indien, Bolivien und Kenia werden Doktor- und Masterarbeiten von Studierenden unterstützt. Die Studie aus Indien und Bolivien zu den Erträgen sind online erhältlich.