Moderne Bienenhaltung Tolay

Wachsendes Einkommen durch hochwertigen Honig und Bienenwachs in Äthiopien

 

-> Aktuelle News aus dem Projekt vom 17.03.2016

In Ostafrika ist Honig sehr gefragt und erzielt im Verkauf gute Preise. In Tolay unterstützt Biovision die Ausbildung von Imkerinnen und Imkern in moderner Bienenhaltung. Sie erlernen den Umgang mit einfachen Bienenkästen, den Gebrauch von "Smokern" und die Verwendung handbetriebener Zentrifugen. Zudem vermittelt Biovision den Auszubildenden Wissen zur Vermarktung.

Projektziel

Nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und Ernährungssicherheit der Bäuerinnen und Bauern in Tolay durch modernisierte und umweltfreundliche Bienenhaltung, welche die Biodiversität und das Ökosystem schont.

Die modernen Bienenkästen haben sich in der Projektregion etabliert und die Qualität des daraus gewonnen Honigs hat sich stetig verbessert (ohne rauchigen Nebengeschmack, keine Wachsrückstände).

Relevanz

Die Ernährungssicherheit der Menschen in Tolay wird durch den Einfluss des Klimawandels auf die Landwirtschaft, wie häufiger auftretende Dürreperioden, zunehmend beeinträchtigt. Bienen sind wichtige Dienstleistende für die Landwirtschaft, indem sie Pflanzen bestäuben, die von den Menschen als Nahrungsmittel genutzt werden, wie etwa zahlreiche Früchte und Gemüse. Kommt es zu einem Rückgang in der Bienenpopulation, kann die landwirtschaftliche Produktion dauerhaft geschädigt werden. Bienen bestäuben aber nicht nur Nahrungspflanzen, sondern auch Bäume und Sträucher in der Natur, und leisten so einen wichtigen Beitrag für ein intaktes Ökosystem. Genügend und gesunde Bienen sind daher zentral für eine intakte Umwelt und damit verbundene Ernährungssicherheit. Die Nutzung von Honig hat in Äthiopien Tradition. Honig wird nicht nur als Nahrung geschätzt, sondern auch in der traditionellen Medizin und bei kulturellen Anlässen verwendet. Bei der herkömmlichen Honiggewinnung werden die Bienenvölker aus hohlen Baumstämmen vertrieben, indem die Bäume ausgeräuchert werden. Das schädigt die Bäume und vernichtet oft ganze Bienenvölker. Mangelndes Wissen und unangepasste Methoden in der Bienenhaltung verhindern so das Gedeihen einer gesunden Bienenpopulation und schmälern die Honigproduktion. In den vorgängigen Projektphasen konnten moderne und angepasste Methoden in der Bienenhaltung erfolgreich etabliert werden. In der momentanen Projektphase liegt nun ein starker Fokus auf der Vermarktung der Bienenprodukte am „marketplace“ der etablierten Honig-Union.

Begünstigte

Rund 600 Bäuerinnen und Bauern sowie 17 Bauernberater (Development Agents) profitieren von den Trainings zur verbesserten Bienenhaltung, Honigernte und -verarbeitung, was zusätzliches Einkommen generiert. Rund 35% der Bienenhalter sind Frauen. Die Frauen im Projektgebiet waren in der Bienenwirtschaft gegenüber den Männern stark benachteiligt, denn sie konnten die auf Bäumen gelegenen Bienenstöcke nicht bewirtschaften, da ihnen Klettern nicht erlaubt war. Im Projekt konnte mit gezielter Förderung und subventionierten Bienenkästen ihr gesellschaftliches Ansehen gesteigert werden. Als Mitglieder der neu gegründeten Genossenschaft erzielen sie nun auch ein Einkommen. Das kommt ihren Familien zugute, für welche das Zusatzeinkommen ein wichtiger Beitrag darstellt, die nötigen Nahrungsmittel, Medizin und Schulkosten bezahlen zu können. Zusätzlich profitieren diese Bauernfamilien zusammen mit der Bevölkerung im Kerngebiet des Projektes (rund 20‘000 Personen) von der Bestäubung ihrer Kulturpflanzen durch diese Bienen, was zu einer Produktionssteigerung von Früchten und Getreide führt.

Honig trägt zur Ernährungssicherheit bei und sorgt für bessere Einkommensmöglichkeiten.
Das Management der Honig-Union im „marketplace".

Massnahmen 2016 - 2017

  • Sicherstellung der Bienengesundheit durch die Ausbildung von Spezialisten die die Gesundheit der Bienen überwachen und im Falle einer Erkrankung korrekte Massnahmen einleiten
  • Erhöhung der Honigproduktion durch modernisierte Methoden
  • Analyse und Etablierung von Marktverbindungen und -strategien für einen optimalen Honigverkauf
  • Stärkung der Honig-Union und des Marktplatzes in Tolay

Bisher Erreichtes

Die Untersuchung zu Bienenkrankheiten im Projektgebiet wurde innerhalb einer wissenschaftlichen Kontrolle durchgeführt und ein entsprechendes Überwachungsprotokoll erarbeitet. Aufgrund der Marktanalysen konnten mehrere Supermärkte und lokale Märkte sowie ein Hotel als neue Absatzmöglichkeiten identifiziert und kontaktiert werden. Zudem wurde der Kontakt zu zwei anderen Unionen (Woliso Becho Union und Diredewa Union) aufgenommen, welcher neue Absatzmöglichkeiten für lokale ProduzentInnen eröffnet. Es fanden Trainings in organisatorischen und finanziellen Aspekten für 30 Personen der Honig-Kooperativen sowie dem Marketplace-Management statt. Zusätzlich wurden Trainings für 4 Techniker zu Ernteverarbeitung, für 30 lokale Imkerinnen in Verarbeitung von Bienenprodukten und für 5 Handwerker und 2 Techniker in der Produktion von modernen Bienenkästen durchgeführt. Insgesamt konnten 6‘000 kg Honig geerntet und an die Honig Union verkauft werden.

Übergabestrategie

Es ist geplant, dass das Projekt Ende 2016 selbsttragend sein wird. Dazu werden die Bienenhaltergenossenschaften sowie die Honig-Union weiter gestärkt. Die Führung des Marktplatzes sowie die Bienenhaltung soll in der Verantwortung der lokalen Gemeindemitglieder liegen. Die lokale Verwaltung und weitere Stakeholders werden nun darauf vorbereitet, die Aktivitäten auch nach Projektende weiterzuführen. Zudem ist die Tolay Natural Honey Union momentan in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Limu Organic Coffee Union, welche über viel Erfahrung im Vertrieb von Kaffee verfügt. Solche Zusammenarbeiten bieten attraktive Synergien bezüglich Verkaufs- oder Werbekanäle.

Das Projekt hebt nun wirklich ab. Unsere Partnerorganisation im Projekt, das icipe, wird nun von der Stiftung MasterCard unterstützt, die moderne Bienenhaltung im ganzen Land zu verbreiten und damit 12‘500 Arbeitsplätze für arbeitslose junge Menschen zu schaffen. Das über fünfeinhalb Jahre laufende Projekt wird von der Stiftung MasterCard mit US$ 10.35 Millionen finanziert und auch von der äthiopische Regierung unterstützt. Im Projekt sollen weitere 25’000 Menschen innerhalb der Wertschöpfungskette ebenfalls profitieren.