
«Ein Walliser erhält den World Food Price» titelte die Basler Zeitung vom 16. Oktober 1995 auf der Front. Es war das erste Mal überhaupt, dass der renommierte Preis an eine Person aus der Schweiz ging.
Herren, der an der ETH Zürich mit einer Arbeit über die biologische Bekämpfung des Lärchenwicklers im Engadin promoviert hatte, wurde geehrt, weil es ihm gelungen war, die in ganz Afrika grassierende Maniok-Schmierlaus mit Wespen und Marienkäfern erfolgreich zu bekämpfen – ohne Chemie und für den Bauern kostenlos.
Damit hatte Herren eine grosse Hungersnot verhindert. Das Maniok-Projekt war für Hans Rudolf Herren und sein Team aber erst ein Anfang. Am Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi, dem Herren bis 2005 als Direktor vorstand, nahm man in der Folge die intensive Forschung nach neuen Wegen in der Bekämpfung von Schädlingen auf. Schädlinge, die Pflanzen befallen, Ernten vernichten, Tiere dahinraffen, Hunger und Krankheiten verbreiten.
Hans Rudolf Herren hatte sein Wirken in Afrika 1979 am International Institut of Tropical Agriculture (IITA) in Nigeria begonnen, nachdem er an der kalifornischen Berkeley-Universität mit einem Nachdiplomstudium seine Qualifikation in Agrarwissenschaft und Insektenkunde vervollständigt hatte. Bis 1994 war er am IITA tätig, wo er als Direktor eines der grössten je realisierten Programme in biologischer Schädlingsbekämpfung aufzog und die bahnbrechenden Erfolge verzeichnen konnte, die später zum Welternährungspreis führten. Herren prägte das IITA nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht, er war auch für das Management verantwortlich, gründete eine Abteilung für Pflanzengesundheit und verantwortete eine grosse Reorganisation. Diese Erfahrungen nutzte er, um ab 1994 das Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE) zu einem weltweit führenden Kompetenzzentrum - insbesondere in der Bekämpfung der Malaria-Mücke - zu entwickeln.
Mit dem Preisgeld des Welternährungspreises gründete Hans Rudolf Herren die Stiftung Biovision. 2002 erhielt er für seine Bemühungen um die Verbesserung der Ernährungs- und Lebensgrundlagen den Deutschen Brandenberger-Preis und 2003 den Tyler Umweltpreis. Seit 2005 ist er Präsident der Millenium Foundation in Arlington, Virginia (USA). Neben der Mitarbeit in verschiedenen internationalen Gremien zur Förderung der ökologischen und nachhaltigen Entwicklung leitet Dr. Herren zusammen mit Prof. Judi Wakhungu, Kenia, die weltweite Erhebung zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft IAASTD (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science & Technology), deren
Bericht im April 2008 veröffentlicht wurde.
Afrika ist für den Unterwalliser eine Herausforderung geblieben: «Ich kann einfach nicht mehr weg. Es ist ein vielseitiger und schwieriger Kontinent, das Wetter unberechenbar; man hat Trockenheit oder zu viel Wasser, Krankheiten, Armut. Afrika braucht deshalb Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist an der Zeit, dass man Afrika eine Chance gibt, dass man diesem Kontinent mit Respekt auf den Weg nachhaltiger Entwicklung hilft.»