Von: Peter M. Wettler, Dietikon / Bild: Mutmasslicher Beobachtungsstandort des Revierförsters F.H. im Honeret-Wald. (AFW)
Schauerliches und beklemmendes habe sich, zumindest dem Vernehmen nach, bei Anbruch der Abenddämmerung des 29. Dezember 2011 auf dem 581 Meter über Meer gelegenen Honeret-Gipfel ob Dietikon (Zürich) zugetragen. Der totenblasse und sichtlich aufgewühlte Revierförster F. H. (Name dem Verfasser bekannt) wollte indes den Vorgang offiziell weder bestätigen noch bestreiten. Es geht das Gerücht, dass er mit Stielaugen beobachtet und mit gespitzten Ohren gehört habe, wie unzählige Wildtiere eine Art Gerichtssitzung durchgeführt und dabei mit menschlicher Zunge gesprochen hätten. So viel jedenfalls ist durchgesickert: Ein Fuchs habe mit folgenden Worten seiner Empörung Luft gemacht: „Schweizerinnen und Schweizer beanspruchen 2,6 Erden für sich, um ihre materiellen Ansprüche zu befriedigen. Das sei unter allem Bleichgesicht“. Der Dachs habe entrüstet nachgedoppelt: „Die Bier-, Weinseligen und Hanswurstverzehrer leben auf viel zu grossem Fuss und verwüsten mit ihrem Fussabdrücken unsern Lebensraum.“ Der Menschling Homo erectus mit unaufrichtigem Gang oder gefangen in vierrädriger Blechrüstung habe zwar fast so viel Hirnwindungen wie ein Hausschwein, vermöge aber seine grauen Zellen nicht in Serie zu schalten und vernetzt zu gebrauchen, soll sich mit verachtungsvoller Miene das Reh ereifert haben: „Dieses gedankenlose Dasein in Saus und Braus gefährdet die Lebensgrundlage aller, ob Vier- oder Zweibeiner“. Die Eule liess sich - wie immer problemlösend - vernehmen: “Wir fordern weniger Verschwendung und mehr Genügsamkeit sowie da und dort gar Verzicht. Es hat genug Nahrungsmittel und Güter für alle auf dem blauen Planeten, aber nicht für jedermenschs Gier!" „Bravo, Bravo“, hätten die Haselmäuse geschrieen, die gar nicht darauf stolz waren, auf der roten Liste gefährdeter Tierarten zu stehen. „Was können wir tun?“, erkundigte sich ein sichtlich ohnmächtiger und entnervter Luchs. „Kennt jemand den Film von Alfred Hitchcock ‚Die Vögel’?, fragte grinsend die Elster: „In diese Richtung müsste es gehen...“ Von diesem Augenblick an widersprechen sich die Überlieferungen und das Geschehen muss, vernünftig betrachtet, wohl als Mär oder Albtraum (für den Förster, der unbefristet beurlaubt worden sei) abgetan werden.