08.03.2018

Wir wollen noch mehr lernen!

Zum Weltfrauentag 2018 stellen wir eine Powerfrau mit Herz, Verstand und einem grünen Daumen vor, die heute selbstbewusst erklärt: «Ich versorge meine Familie selber, und ich bin stolz darauf!»

Meng Tian, Kommunikation

Eunice Kimiya entschuldigt sich gleich bei der Begrüssung, dass sie nicht aufgeräumt habe. Ihr Schwager sei vor ein paar Tagen gestorben, und jetzt gehe alles etwas drunter und drüber. Die vierfache Mutter beherbergt die ganze Trauerfamilie für eine Woche bei sich. Mit der Vorbereitung der Beerdigung ist die Gastgeberin nun stark gefordert. Da kommt ihr der neue Küchengarten, aus welchem sie die ganze Familie versorgt, sehr gelegen.

Die fünfzigjährige Bäuerin hat nicht viel geschlafen, aber das ist für sie nichts Neues. Ihr Tag beginnt jeweils um fünf und endet nachts um zehn. Neuerdings fällt ihr das Aufstehen am Morgen jedoch leicht, denn sie hat neue, erfüllende Aufgaben: Ihr Küchengarten und ihr Einsatz als Gesundheitsberaterin. «Früher war uns die Wichtigkeit einer vielfältigen Ernährung überhaupt nicht klar», erzählt sie. «Wir wussten bloss, dass es Stärke, Proteine und Vitamine gibt».

Im Projekt «Vielfalt auf dem Feld und im Teller» lernte Eunice neue Sorten von traditionellem Blattgemüse kennen und schätzen. Bis vor Kurzem baute sie wie viele andere Bauernfamilien in der Gegend hauptsächlich Mais, Yams und Banane an. Jetzt ist die Liste ihrer Pflanzen um einiges länger: Spinat, Kuhbohnen, Federkohl, Amaranth, Spinnengemüse, schwarzer Nachtschatten, Hülsenfrüchte wie Crotalaria, langkapselige Jute, Kürbis, Karotten, Frühlingszwiebeln und vieles mehr.

Business und Wissensvermittlung

Dabei gibt sie sich nicht nur mit dem Anbau zufrieden, sondern produziert auch Gemüsesamen. Der Verkauf davon wurde zu einer neuen und wichtigen Einkommensquelle für die Familie. «Ich habe früher so viel Zeit und Geld gebraucht, um zum Markt zu gehen und Gemüse zu kaufen. Jetzt muss ich das nicht mehr tun. Ich versorge meine Familie selber, und ich bin stolz darauf», sagt die Powerfrau bestimmt. Und Ihre Antwort auf die Frage, was sie sich für die eigene Familie wünscht, kommt prompt: «Ich wünsche mir eine gesunde Familie. Gesund und aufgeklärt!»

 

Eunice weiss, dass sie ihren Gemüse-Erfolg dem Wissen aus dem Projekt verdankt. Dieses gibt sie heute als ehrenamtliche Gesundheitsberaterin an andere aus ihrer Gemeinde weiter. Die Bäuerin geht von Tür zu Tür, teilt ihre Erfahrung im Gemüseanbau und informiert über die Wichtigkeit einer vielfältigen Ernährung. „Es gibt hier Leute, die weder lesen noch schreiben können. Für sie ist diese Art der Erwachsenenbildung sehr wichtig“, betont sie. Als Frau eines Lehrers ist ihr der Wert der Wissensvermittlung sehr bewusst. Ihr Mann hat seinerseits begonnen, die Ernährungslehre in seine Lektionen einzubauen. Für Eunice ist klar, dass das Projekt weitergehen soll. „Wir wollen noch mehr lernen!“, sagt sie. Mit dem geplanten Aufbau eines Beratungszentrums in der Nähe würde ihr Wunsch schon bald in Erfüllung gehen.

Biovision stärkt die Frauen

Frauen spielen in der Landwirtschaft und somit der Ernährungssicherheit eine massgebende Rolle. Sie bewirtschaften den eigenen Küchengarten, sind in Bäuerinnengruppen aktiv, bilden sich weiter und bauen mancherorts sogar ein eigenes Business auf. Vielerorts ruht jedoch die Bürde der Feldarbeit oft allein auf den Schultern von Frauen und Mädchen. Dennoch bleibt ihnen das Recht auf Mitsprache und Mitbestimmung meist verwehrt, und sie leben oft unter prekären Umständen. Deshalb sind Frauen und Jugendliche in unseren Projekten eine spezielle Zielgruppe, wo dies nachhaltig positive Effekte für die jeweilige Gemeinschaft hat.

Eine gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter in Entwicklungsprozessen ist für Biovision zwingend. Die gender-spezifischen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten werden in allen Projekten von Biovision berücksichtigt und umgesetzt. Themen wie der Einfluss des Bevölkerungswachstums auf Gesundheit, Stellung der Frau, und Umweltbelastung sind für den langfristigen Erfolg nachhaltiger Konzepte entscheidend und werden in diesem Kontext angegangen.

Projekte zur Frauenförderung

Biovision fördert mit dem Projekt „Vielfalt auf dem Teller und dem Feld“ den Anbau von traditionellen Gemüsesorten und trägt so zu einer ausgewogenen Ernährung in Kenia bei. Ein Grossteil der Begünstigten im Projekt sind Frauen.

In Uganda stärkt das Biovision-Projekt „Frauenförderung durch Landwirtschaft“ das Selbstbewusstsein und die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Mädchen.