18.5.2017

Wir sind gleichzeitig Bauern und Unternehmerinnen

Von Loredana Sorg, Programmverantwortliche bei Biovision

Auf der Wiese vor der Isecheno Primarschule, nur einen Steinwurf vom Kakamega-Regenwald entfernt, versammeln sich Schulkinder, Lehrerinnen und Mitglieder der örtlichen Bauerngruppe. Stolz führen die Kinder durch ihren Blumen- und Gemüsegarten, auch wenn noch nicht alle Gärtneraktivitäten gleichermassen von Erfolg gekrönt sind. “Wir möchten weitere solche Demonstrationsgärten an anderen Schulen aufbauen, um Kindern, Eltern und anderen interessierten Anwohnern die Relevanz der verschiedenen Pflanzen für Bestäuberinsekten zu zeigen“, erklärt Thomas Mmasi. Er hat die Muliru Farmers Conservation Group gegründet, welche Teil des Biovisionsprojekts „Schutz der Biodiversität“ ist, und wirkt seither bei den verschiedensten Aktivitäten der Gruppe tatkräftig mit. Seit seiner Ausbildung, bildet er Kolleginnen und Kollegen aus seiner Bauerngruppe zu Instruktorinnen und Instruktoren aus.

Mit den Bestäubergärten zeigen die Lehrerinnen ihren Schulkindern, dass Blumen und Gemüse Insekten wie Bienen oder Hummeln für die Bestäubung brauchen. Einheimische Blütenpflanzen wiederum, die ursprünglich als Wildpflanzen im Regenwald wachsen, locken Insekten zu den Gärten. „Die Kinder erkennen dadurch, dass es ohne Wald keine Bienen gibt und dass es ohne Bienen keine erfolgreiche Ernte in den Hausgärten gibt“, führt die Lehrerin Judith aus. Ohne Wald kein Essen, ist also die Kurzform der Überlegung. „Früher waren sich viele nicht bewusst, dass uns der Wald noch ganz andere Dienstleistungen bietet als nur Brennholz“, fügt sie an.

Fotos von Loredana Sorg und Nixon Onyimbo

Auch auf dem Grundstück der Destillerie, welche die Muliru Enterprise Group zur Herstellung von ätherischen Ölen aus ihren Medizinalpflanzen betreibt, wachsen viele Nutzpflanzen. Einige dienen als Nahrungsmittel, einige zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und viele gehören als Medizinalpflanzen zur traditionellen Apotheke der lokalen Bevölkerung. „Mit der Basilikumart Ocimum suave zum Beispiel, aus dem wir ein spezielles Öl herstellen, haben die Leute früher ihre Häuser und Höfe gefegt, um Mücken zu vertreiben. Sie wussten natürlich nicht, dass der dabei verströmte Duft des Ocimumöls die Mücken fernhielt, aber es funktionierte“, erklärt Thomas Mmasi.

Die Vielfalt an Pflanzen im Garten der Muliru-Brennerei ist gross, im nahen Kakamega-Regenwald beinahe grenzenlos. „Der Wald ist voller unterschiedlicher Kräuter, die für unsere Lebensgrundlage wichtig sind“, erklärt Thomas Mmasi. Dadurch, dass die Muliru Farmers Conservation Group einige dieser wilden Aroma- und Medizinalpflanzen in domestizierter Form in den Hausgärten anbaut und wichtige Bestäuberinsekten mit Blütenpflanzen in die Nähe der Felder lockt, schützen die Anwohnerinnen und Anwohner den Regenwald, indem sie den Druck auf dieses Ökosystem verringern.

Und auch seinen Nachkommen möchte Thomas eine wichtige Erkenntnis mitgeben: „Ich werde meinen Enkelkindern Mut machen, dass sie überall eine Anstellung finden können und dafür nicht nach Nairobi gehen müssen. Sie können sich sogar selbstständig machen und Geld verdienen.“ Dann überlegt er kurz und fügt an: „Und ich werde ihnen sagen: ich habe einen Baum gepflanzt für euch. Dieses Unternehmen ist mein Baum.“

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