29.01.2018

Sieben erlebnisreiche Monate in Morogoro

Während sieben Monaten erhielt ich letztes Jahr Einblicke in die Arbeit der Organisation Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) in Morogoro und durfte den Alltag tansanischer Kleinbauernfamilien hautnah miterleben.

Isabel Kühne, Biologin und derzeitige ETH NADEL-Studierende

Durch verschiedene Projekte fördert SAT, eine Partnerorganisation von Biovision, die Reduktion von Armut in der Region Morogoro, die Verbesserung der Ernährungssicherheit und die Entschärfung von Konflikten um Land. Dabei setzt SAT auf agrarökologische Methoden und fördert die Zusammenarbeit von Bauern- und Viehhirtenfamilien.

Neben der Arbeit im Büro hatte ich immer wieder die Möglichkeit, verschiedene Bauerngruppen zu besuchen. Im Rahmen des Umbaus und der Wiedereröffnung des neuen SAT Organic Shops in Morogoro, in welchem frisches Gemüse, Früchte und Gewürze der Bauerngruppen verkauft wird und dadurch Möglichkeiten für die lokale Verarbeitung und Vermarktung biologischer Landwirtschaftsprodukte geschaffen werden, hatte ich die Möglichkeit alle zwölf nach dem East African Organic Products Standard zertifizierten Bauerngruppen zu portraitieren.

 

  • Akley, SAT Marketing Manager, Pius, Gemüsebauer und Aysia, Verkäuferin, vor dem neu renovierten SAT Organic Shop. Copyright SAT/Isabel Kühne
  • Um die rasche Verdunstung zu verhindern, wird Stroh auf die Beete gelegt. Copyright SAT/Isabel Kühne
  • Besuche wurden jeweils mit einem gemeinsamen „Kilimo Hai“, was „biologische Landwirtschaft“ bedeutet, besiegelt. Copyright SAT/Isabel Kühne
  • Bäuerinnen und Bauern beim Besuch eines Versuchsfelds an der Sokoine University of Agriculture, wo ihnen ein Studierender sein Experiment zur biologischen Schädlingsbekämpfung erklärt. Copyright SAT/Isabel Kühne
  • Während dem WPRD diskutierten Viehhirten und Veterinärstudierende über die Herausforderungen durch Viehkrankheiten. Copyright SAT/Isabel Kühne

Zwölf Bauerngruppen zu besuchen, das bedeutet nicht etwa zwölf identische Tage im Feld zu verbringen, sondern zwölf nicht vergleichbare, fast abenteuerliche Ausflüge zu erleben. Ob heftige Regenfälle, kaputte Motorräder oder kurzfristige Planänderungen, Flexibilität und Improvisationskunst waren immer wieder gefragt.

Recht bald habe ich verstanden, dass es nichts bringt, die Planung am Vortag zu machen, sondern dass diese jeweils am Morgen, bevor man losfährt, stattfinden muss. Es half also, den Schweizer Planungsdrang abzulegen und mich dem tansanischen Rhythmus anzupassen. Was nicht heissen soll, dass ohne frühzeitige Planung nichts läuft. Im Gegenteil: Ich war immer wieder positiv überrascht, wie innert kürzester Zeit vieles perfekt organisiert wurde und bei Problemen innovative Lösungen gefunden und auch gleich umgesetzt wurden.

Durch das von Biovision unterstützte Projekt Bustani ya Tushikamane – Garten der Solidarität, konnte SAT in den letzten Jahren rund um die Uluguru Mountains ein Netzwerk von Bauerngruppen aufbauen und geniesst heute grosse Bekanntheit und Anerkennung in der Region. Dank der positiven Zusammenarbeit zwischen SAT Mitarbeitenden und Bauerngruppen ist SAT ein gern gesehener Gast auf den Gipfeln und in den Tälern der Uluguru Mountains. Wir wurden stets herzlich empfangen.

Geschichten aus dem Gemeinschaftsgarten

Die Gruppen treffen sich einmal wöchentlich in ihrem Gemeinschaftsgarten, wo sie sich austauschen, gegenseitig unterstützen und gemeinsam lernen. Diesen Tag wählten wir jeweils für unsere Besuche, um möglichst viele Bäuerinnen und Bauern für die Interviews anzutreffen. Die Besuche starteten jeweils mit einer Vorstellungsrunde, gefolgt von einer Besprechung der wichtigsten Anliegen zwischen den Bäuerinnen und Bauern und den SAT Mitarbeitenden.

Zusammen mit einem Übersetzer versuchte ich in einer Gruppendiskussion sowie in einzelnen Interviews möglichst viel über die Bäuerinnen und Bauern herauszufinden. Was ist speziell an der Gruppe? Gibt es eine Erfolgsgeschichte, die die Gruppe mit ihren Konsumentinnen und Konsumenten teilen möchte? Was wird im Gemeinschaftsgarten angebaut? Alle meine Fragen beantworteten die Bäuerinnen und Bauern geduldig und ausführlich. Am Ende besiegelten wir jeden Besuch mit einem gemeinsamen „Kilimo Hai“, also „biologische Landwirtschaft“, und ich kehrte mit einem Rucksack voller beeindruckender Geschichten zurück ins Büro.

Bereichert um viele schöne und lehrreiche Erlebnisse hiess es für mich nach sieben Monaten Abschied zu nehmen, um zurück in der Schweiz mein Nachdiplomstudium in Entwicklung und Zusammenarbeit abzuschliessen. Ich bin dankbar für die Einblicke, die ich durch SAT in ihre Organisation, Projekte und das Leben der Kleinbäuerinnen und –bauern in Tansania erhielt und bin mir sicher, dass die Erfahrungen, die ich bei SAT gesammelt habe auch in Zukunft noch in vielen Situationen wertvoll sein werden.

 

Das neue von Biovision unterstützte SAT Projekt „Marktzugang mit ökologischer Landwirtschaft„ fördert den gegenseitigen Austausch zwischen Bauern- und Viehhirtengemeinschaften, wodurch das friedliche Zusammenleben gestärkt wird. Durch dieses Projekt wird auch die Zusammenarbeit von Bäuerinnen und Bauern mit lokalen Wissenschaftlern und so die nachfrageorientierte Forschung im Bereich der Agrarökologie gefördert.