09.02.2018

Schwänzchen in die Höh…

…aber kein Wasser fürs Köpfchen. So lässt sich die momentane Situation der von Biovision unterstützten Kamelhalter in Isiolo County treffend beschreiben. Die momentane Dürre setzt den Kamelen kräftig zu. Doch stecken sie die Trockenperiode deutlich besser weg als anderes Vieh.

Simon Gottwalt, Programmverantwortlicher

Die Bauerngruppe von Kula Mawe hatte lange Zeit auf Kamelnachwuchs gewartet. Viele der von Biovision verteilten Kamele sind nun endlich trächtig, sodass die Pastoralisten-Gruppen bald einen Gewinn erwirtschaften dürften. Schmunzelnd heben die neuen Kamelbesitzer von Kula Mawe die Hand. Auf meine Frage, woran man denn erkenne, dass ein Kamel trächtig ist, antworten sie einstimmig: „Sie heben den Schwanz, wenn man ihnen näher kommt“, ein Zeichen an die männlichen Kamele, dass hier jegliche Liebesmüh umsonst ist.

Endlich sind die Kamele trächtig

Für die relativ armen Mitglieder der Gruppe war der ausbleibende Nachwuchs eine grosse Herausforderung: Solange die Kamele keine Jungen geboren haben, geben sie keine Milch. Trotz des fehlenden Einkommens, muss die Gruppe Geld für den Lohn des Hirten und Futter aufbringen. Seit Oktober letzten Jahres aber hat die Herde von Kula Mawe – wie auch die anderen von Biovision unterstützten Gruppen - ein männliches Zuchtkamel. Mit durchschlagendem Erfolg: nach Angaben von Benjamin Losusui, dem Hirten der Gruppe, sind nun alle Tiere trächtig. Davon kann ich mich dann auch selbst überzeugen: als Benjamin den Kamelen näher kommt, heben diese ihren Schwanz.

 

Schwangerschaftstest: Mustapha Roba, Vorsitzender der Kamelhaltergruppe von Kula Mawe, demonstriert wie die Kamele den Schwanz heben, wenn man nahe kommt.

Trockenheit bringt Viehhaltern Probleme

2017 war ein extrem trockenes Jahr, die Futtersituation im Norden Kenias hat sich dramatisch verschlechtert. (vgl. Newsletter August 2017). Dies führt auch zu einer Verringerung der Milchleistung der Tiere. Die Kamelbesitzerinnen berichten jedoch, dass die Kamele die Trockenheit gut überstanden hätten, während viele Rinder und Ziegen verendet seien. Mit einem Wasserreservoir für zwei Wochen können sie die zunehmend weiten Distanzen zwischen den Tränkstellen besser überbrücken. Zudem ist der Speiseplan der Kamele gut an das harsche Klima im Norden Kenias angepasst, sie vertragen auch dornige und salzige Sträucher.

Kamele können somit helfen, die Folgen des Klimawandels und die Übernutzung des Landes in der Region abzumildern. Das ist nötiger denn je, denn die Trockenheit hat im benachbarten Laikipia schon für grössere Unruhen gesorgt. Dort waren es vor allem Rinderherden, die auf der Suche nach Nahrung auf fremdes Land vordrangen.