Nur mit dem richtigen Massnahmen-Mix gelangt Kenia zu seinen Nachhaltigkeitszielen

Eine Szenario-Analyse von Biovision zeigt: die von Kenia gesteckten Ziele in der Landwirtschaft sind auch mit zusätzlichen Finanzmitteln bis 2030 kaum zu erreichen. Mit dem richtigen Mix an nachhaltigen and mittelfristigen Massnahmen kommt man jedoch weiter als mit konventionellen Strategien, denn diese greifen nur kurzfristig.

Auf Anfrage des kenianischen Landwirtschaftsministeriums hat Biovision in Zusammenarbeit mit dem Millennium Institute eine Politik-Analyse durchgeführt, wie die nationalen Landwirtschaftsziele 2030 und die UN Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in Kenia am besten zu erreichen wären. Die modell-basierte Studie macht nun deutlich, dass die Ziele generell sehr hoch gesteckt sind. So ist eine komplette Vermeidung von Hunger und Armut bis 2050 unrealistisch, selbst mit einer Aufstockung der finanziellen Mittel im Landwirtschaftssektor um 10%, wie es die Maputo Deklaration und CADDP fordern. Mit einem gezielten Mix aus politischen Entscheiden und Massnahmen rücken diese Ziele jedoch in greifbare Nähe, falls dieser Weg heute entschlossen eingeschlagen wird.

Die Studie wurde im Rahmen des Biovision Projektes Kurswechsel Landwirtschaft unter regelmässigem Einbezug von lokalen Behörden, Wissenschaftlern und der Zivilgesellschaft konzeptualisiert. Insgesamt sechs Zukunftsszenarien wurden dann mittels des system-dynamischen Modells „Threshold 21“ berechnet und interpretiert. Mögliche Szenarien sind intensivierte Massnahmen bei der effizienten Bewässerung, Zugang zu Märkten, Düngemittel Subventionen, Ausbildung von Kleinbauern in Agrarökologischen Anbaumethoden sowie Kombinationen der Szenarien. Untersucht wurde deren Auswirkungen auf Armutsverhältnisse, Unterernährung, verschiedene Produktionsgrössen sowie Arbeitsplatzbeschaffung.

Die Resultate fallen eindeutig aus: Besonders die gezielte Ausbildung von Kleinbäuerinnen und –bauern in nachhaltiger Landwirtschaft sowie effizientere Bewässerungsmethoden haben deutlich positiven Einfluss auf die untersuchten Grössen. Auch der verbesserte Zugang von Kleinbauern zu lokalen und regionalen Märkten hat Potential, Kenia näher an seine Ziele zu bringen. Hinsichtlich der SDGs könnten dadurch bis 2030 knapp 80% der Unterernährung und Arbeitslosigkeit in der ländlichen Bevölkerung eingedämmt werden. Der Schlüssel dazu ist aber die konsequente Unterstützung aller oben genannten Massnahmen in der Kombination um deren Mitnahmeeffekte nutzen zu können.

Wichtig ist die mittel- bis langfristige Perspektive der Ziele: Die Analysen zeigen unter anderem, dass Subventionen der Regierung für chemische Düngemittel zwar zu einer unmittelbar positiven Veränderung der meisten sozioökonomischen Indikatoren führen. Der Einsatz von chemischen Düngemittel hat jedoch auch Umweltschäden zur Folge, wie beispielsweise eine Abnahme der Bodenfruchtbarkeit, welche längerfristig die Zielerreichung erschwert.

Die vorliegende Analyse dient als wissenschaftliche Basis für die zukünftige, nationale Landwirtschaftsstrategie Kenias, welche derzeit überarbeitet wird. Als nächstes wird die Studie den Zuständigen des kenianischen Landwirtschafts- sowie des Planungsministeriums präsentiert, damit die erarbeiteten Empfehlungen Eingang in diese Strategie finden und dadurch die passenden Massnahmen gefördert werden können.

Studie als PDF (Englisch)