4.10.2017

Grenzen ziehen und Bäume pflanzen

Ein gutes Jahr nachdem wir über Diebe und verspäteten Regen berichteten, stellt sich unser Aufforstungsprojekt im Osten Ugandas weiterhin diesen und neuen Herausforderungen. Die Wasserknappheit in 2016 hinterliess Spuren, und die übrig gebliebenen Baumsetzlinge müssen rechtzeitig an die richtigen Abnehmer gebracht werden.

Text und Bilder von Meng Tian, Kommunikation & Online-Redaktion Biovision

Die Ankunft in Namugongo – einem kleinen Dorf im Kaliro Distrikt im Osten Ugandas – ist herrlich friedlich. Auch wenn der rötliche Staub am Boden durch die Autofahrt stark aufgemischt und in der Luft herumgewirbelt wird, beeindruckt vor allem das viele Grün in der Umgebung. Der Empfang der „Namugongo Environmental Development Group“ ist herzlich – allen voran von Mary Bageya. Während die 78-Jährige letztes Jahr noch Vizepräsidentin der Bauerngruppe war, übernimmt sie mittlerweile das volle Präsidium. „Willkommen zurück“, schüttelt sie allen Besuchenden aufgeregt die Hände.

Namugongo im Kaliro Distrikt, Uganda
Der höchste Baum in der Mitte kennzeichnet die Grenze - die linke Fläche gehört jemandem, und die rechte jemandem anderem.
Ein Mitglied von Marys Bauerngruppe, Wambuzi Grace (3.v.r.), erklärt den Besuchenden, was es auf sich hat mit den Grenzen markierenden Bäumen.
"Mein Mann unterstützt mich immer bei allem", sagt Mary Bageya über ihren Ehemann von über 60 Jahren.
Der Boden soll nicht von Monokulturen ausgelaugt werden - darum dient die Erdnuss hier als Zwischenkultur.
...und Pflanzenveredelung gelehrt.
In der Baumschule in Ost-Uganda werden die Baumsetzlinge herangezüchtet...
Die Präsidentin der Bauerngruppe Mary Bageya führt durch ihr Dorf Namugongo.


Wasser ist ein rares Gut

Mary Bageya kümmert sich um eine der fünf Baumschulen im Rahmen des Projekts „Aufforstung in Kaliro“. Der Anbau von Nutzholz-, Frucht- und Medizinalbäumen im Projekt soll einerseits der Entwaldung entgegen wirken und andererseits eine zusätzliche Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung schaffen. Das zusätzliche Einkommen bringen momentan vor allem die Kaffeesetzlinge. Die lokale Regierung kauft einen Grossteil davon ab und zahlt pro Pflänzchen 300 Ugandische Schilling (umgerechnet 8 Rappen). Seit Mitte 2016 ist dies eine willkommene Einkommensquelle.

„Als das Wasser knapp wurde, gruben wir ein Loch in der Nachbarschaft und behielten das Regenwasser dort. Jetzt ist alles leer und es hat kein Wasser mehr“, nennt Mary das Hauptproblem. Die Projekt implementierende Partnerorganisation SUPD (Sustainable Use of Plant Diversity) half und verteilte zu kritischen Zeitperioden vereinzelt Wassertanks, wo sie dringend nötig waren. Die Ressourcenknappheit zog trotzdem negative Folgen in der Produktion der Baumschule nach sich. „Die Dorfbewohner kommen noch immer Baumsetzlinge kaufen. Aber jetzt haben wir gar nicht genug zu verkaufen“, erzählt Mary.

Zusätzlicher Zweck für die Bäume

Ein weiteres Problem ist der anhaltende Diebstahl der wenigen Baumsetzlingen, die den ausbleibenden Regen überlebt haben. Besonders wenn die Schulen einen Demonstrationsgarten zum Unterricht anlegen, wie es in der Namukooge Primarschule der Fall ist. Die zuständige Lehrerin Beatrice betont, dass die Schüler sehr lernbegierig und interessiert sind am Anbau von Baumsetzlingen. Es dauert aber nicht lange, bis die Pflänzchen – in diesem Fall Jackfrucht-Baumsetzlinge – jeweils über Nacht verschwinden. „Meistens, nachdem die Kinder zu Hause erzählen, was sie in der Schule gelernt haben“, stellt Beatrice fest.

Um dem Problem entgegen zu wirken, bekommen die Bäume einen zusätzlichen Zweck verliehen: als Markierung von Grenzen. Ein Gruppenmitglied von Marys Bauerngruppe, Wambuzi Grace, zeigt auf seinem Feld, welche Bedeutung die vereinzelt stehenden Bäume haben: „Wenn ich einmal nicht mehr hier sein sollte, möchte ich nicht, dass meine Kinder sich über das Land streiten. So sind die Grenzen klar.“ Auch gegenüber den Nachbarn helfen die Bäume dabei, sichtbare Grenzen aufzuzeigen. Ob diese Massnahme die Diebe tatsächlich vom Stehlen abhalten, wird sich mit der Zeit zeigen.