Fungizide bedrohen unsere Bestäuber-Insekten!

Fungizide wurden als wichtigster Faktor für den starken Rückgang der Hummeln erkannt – was Wissenschaftler überrascht und eine weitere Bedrohung für die lebenswichtigen Bestäuber bedeutet.

Die englische Zeitung “The Guardian” publizierte einen Artikel zu den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedrohung von Bestäuber-Insekten, die entscheidend für unsere Nahrungsgrundlage sind. Gewöhnliche Fungizide tragen demnach am stärksten zum Bienensterben in den Vereinigten Staaten bei.

Dieses überraschende Resultat hat Bienenexperten alarmiert, weil Fungizide Schimmel und Pilzbewuchs bekämpfen sollen, nicht aber Insekten. Wie Fungizide Bienen töten, muss noch im Detail studiert werden. Es scheint jedoch, dass Fungiziden ausgesetzte Bienen anfälliger auf den Nosema-Parasiten werden und stärker auf andere Pestizide reagieren.

Der weitverbreitete Verlust an Bienen und anderen Bestäuber-Insekten ist besorgniserregend, weil sie rund 75% aller Nutzpflanzen bestäuben. Faktoren wie Pestizide, Zerstörung von Lebensräumen, Krankheiten und der Klimawandel tragen zur Abnahme der Bienenpopulationen bei. Bislang wurde jedoch kaum erforscht, welche Faktoren am meisten Schaden anrichten.

Die Zeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlichte nun eine neue Studie, die maschinelles Lernen zur Auswertung von 24 verschiedenen Faktoren nutzte, um das Bienensterben an 284 Standorten in 40 Staaten der USA zu erklären.

„Weitere Studien zu Fungiziden und ihrer Rolle beim Rückgang der Bienenpopulation sind nötig“, sagte Scott McArt von der Cornell Universität in den USA der die Studie geleitet hat.

Matt Shardlow von der Schutzorganisation Buglife sagte: “Die Art, wie die Menschen die Landschaft bewirtschaften, bringt die Bienen unter enormen Druck. Und gerade jetzt, wo wir Fortschritte machen, um (in der EU) ein Verbot für einen nachweisbaren Faktor – Neonicotinoid-basierte Insektizide – zu erzielen, erkennen wir plötzlich, dass normale Fungizide Wildbienen ebenfalls schädigen. WissenschaftlerInnen und EntscheidungsträgerInnen müssen dringend mit neuen Studien reagieren.“

“Diese Forschung zeigt, dass die Pestizid-Regulierungen uns wieder einmal hängen lassen haben. Vielleicht, weil Zulassungstests die Bienen nicht gleichzeitig Pestiziden und Krankheiten aussetzen“, sagte Professor David Goulson von der englischen Universität Sussex. Dies unterstütze auch das Argument des leitenden wissenschaftlichen Beraters der Regierung Grossbritanniens, die Effekte der Pestizide auf die Landschaft könnten nicht von kontrollierten Labor- und Feldstudien vorausgesagt werden.

Dieser Text wurde weitgehen vom Guardian Artikel übernommen (link)