6.4.2017

Durch Marktzugang raus aus der Armut

Alexander Wostry von unserer Partnerorganisation  Sustainable Agriculture Tansania (SAT) präsentierte bei Biovision die Arbeit seiner Organisation und gab Einblicke in derzeitige Projekte und künftige Herausforderungen.

„Vor kurzem musste unser Nachbar 50 Rinder notschlachten, da durch die lange Trockenperiode kein Futter mehr da war“ erzählte Wostry. Das Leben von Kleinbauernfamilien in Morogoro, Tansania ist nicht einfach. Klimawandel und vor allem Dürren bedrohen die landwirtschaftliche Produktion, Bauern und Viehhirten konkurrieren um Land und die Vermarktung von Produkten ist schwierig.

Unser Partner SAT hilft den Kleinbäuerinnen und –bauern durch die Vermittlung von Wissen zu agrarökologischen Methoden ihre Erträge zu steigern. In Kursen und Projekten zur Verarbeitung und Vermarktung biologischer Landwirtschaftsprodukte zeigt SAT der lokalen Bevölkerung, wie sie ihre Produkte erfolgreich an die Kundschaft bringen.

Auf 9m2 Bürofläche, einem kleinen Stück Land und mit 320 US$ Startkapital haben Alexander Wostry und seine Frau Janet Maro im Jahr 2009 mit dem Aufbau von SAT begonnen - heute ist SAT eine etablierte Organisation und betreibt das renommierteste Trainingszentrum für ökologische Landwirtschaft in Tansania.

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Alexander Wostry, Initiant und Koordinator des Ausbildungszentrums für nachhaltige Landwirtschaft in Tansania.
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Alexander Wostry und Janet Maro auf Projektbesuch der Mandeleo-Bauerngruppe in Towelo.
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Praktische Ausbildung im Feld: Janet Maro, Agronomin und Präsidentin von Sustain­able Agriculture Tanzania (SAT), beim Training der Bäuerinnen und Bauern von Towelo.

 

Der ganzheitliche Ansatz von SAT unter Einbeziehung von Wissenschaft, Marketing, Networking und Informationsverbreitung trägt bereits Früchte: es haben sich zum Beispiel sogenannte Spargruppen gebildet, in denen die Menschen gemeinsam Investitionen tätigen – allein in diesem Jahr wurden so unter den Beteiligten insgesamt € 30 000 eingespart. Mittels ihrer Innovationsplattform hilft SAT kontinuierlich Wissen zu generieren und einen Austausch zwischen den Bauerngruppen, der Forschung, dem Privatsektor oder auch der Regierung zu ermöglichen.

Ausserdem baut SAT gerade seine Infrastruktur aus. Ein neues Verarbeitungszentrum soll den Bäuerinnen und Bauern helfen, ihre Produkte zu veredeln. Dort werden beispielsweise Seifen, Marmeladen oder Sonnenblumenöl hergestellt. Das zusätzliche Angebot an sportlichen Aktivitäten wie Fussballmatches zieht vor allem auch junge Menschen an.

In einem nächsten Schritt zielt SAT darauf ab, ein besseres, konfliktärmeres Verhältnis zwischen Viehhirten und Bauern zu erzielen. „Dies wird eine grosse Herausforderung werden, da beide Parteien um Land konkurrieren. Wir streben eine Kooperation an, wo zum Beispiel Kuhmist und Tierfutter ausgetauscht werden und sich so ein Wirtschaftskreislauf erschliessen kann“, berichtete Wostry. Die Viehhirten – auch Pastoralisten genannt - konzentrieren sich vermehrt auf die Milchproduktion und werden von SAT auch entsprechend ausgebildet. Beide Parteien seien an Lösungen interessiert und Landnutzungspläne seien bereits in Arbeit. Am Schluss möchten alle Produzenten und Produzentinnen dasselbe: Ihre Lebensgrundlage sichern, indem sie ihre Lebens- oder Futtermittel soweit wie möglich selber produzieren und durch den Verkauf ihrer Güter  auf dem Markt Einkommen erwirtschaften. Mit Hilfe von SAT und der Unterstützung von Biovision könnte dies in Zukunft Tausenden Bauernfamilien gelingen.

Erfahren Sie mehr zu den Aktivitäten von SAT und Biovision in Tansania im neuen Projektbeschrieb „Marktzugang mit ökologischer Landwirtschaft“…