Die Hexe und der Striga-Fluch

«Du musst eine Hexe sein. Warum wächst auf deinen Maisfeldern kein Striga? Unsere Felder sind davon überwuchert und es vernichtet unsere Ernten!» 

Bedrohlich baut sich eine Gruppe Bauern vor einer Frau in grünem Arbeitskittel auf. Sie wird heftig bedrängt, ihr Geheimnis zu verraten und zuzugeben, dass sie eine Hexe ist. Denn ihr Maisfeld wurde von Schädlingen verschont, ihre Ernte war grösser als die der anderen Bauern. Die Luft knistert vor Spannung, ein heftiges Wortgefecht ist im Gang. Und rund 20 Personen auf farbigen Plastikstühlen verfolgen gebannt die Szene…

Um die Push-Pull Methode unter der Landbevölkerung zu verbreiten, hat die Dorfgemeinde von Lela in der Nähe des Lake Viktoria zu einem besonderen Mittel gegriffen. Unter der Regie ihres Dorfschullehrers studierte sie ein Theaterstück ein. Dieses führt sie nun in der Umgebung Bäuerinnen und Bauern vor. Viele von ihnen können gar nicht oder nur wenig Lesen und Schreiben. Wissen in Form eines Theaterstücks zu verbreiten ist daher eine wirksame Alternative, die beim Publikum zudem besonders gut ankommt. Im Zentrum des Stücks steht die Bäuerin, welche die Push-Pull Methode anwendet und daher vom «Fluch» des Unkrauts Striga verschont bleibt. Die anderen Bauern nehmen das argwöhnisch zur Kenntnis und vermuten, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugeht. Schliesslich hat die Bäuerin auch kein Pflanzengift eingesetzt! Folglich muss sie eine «Striga-Hexe» sein, wie sonst kann sie sonst diesen Fluch besiegen? Mit grossem Engagement und lebhaften Gesten tragen die Laienschauspielerinnen und –schauspieler das Stück vor. Sehr zur Freude des Publikums, das mit Zwischenrufen, Szenenapplaus und Gelächter voll dabei ist. Am Ende des Stücks wird das Geheimnis gelüftet: Nicht Hexerei sondern Push-Pull ist der Grund, wieso das Feld der «Striga-Hexe» von Schädlingen verschont bleibt und sie deshalb mehr Mais ernten kann.

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Die Bäuerin im grünen Kittel wird von anderen Bauern bedrängt. Hat die «Striga-Hexe» ihre Maisfelder verflucht?
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Das Geheimnis wird gelüftet: Die «Hexe» erklärt Push-Pull und weshalb ihr Feld von der schädlichen Striga Pflanze verschont wurde.
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Informationsveranstaltungen unter freiem Himmel von Vertretern desicipe stossen bei den Bäuerinnen und Bäuern in Kenya auf grosses Interesse.
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Biovision Mitarbeiter Andreas Rösch bei seinem Besuch in Lela im Oktober 2017.
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Nachhaltigkeit auch bei der Mobilität: Die Fahrräder der Push-Pull Farmer Teacher sind nicht zu übersehen.
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Das Forschungszentrum des International Centre for Insect Physiology and Ecology (icipe) in Mbita am Lake Viktoria verfügt über modernste Labors…
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… und betreibt praktische Forschung zum Schutz von Pflanzen durch Schädlinge aller Art.


Push-Pull ist eine nachhaltige Anbaumethode, welche die Bodengesundheit fördert. Sie verzichtet auf den Einsatz chemischer Pestizide und steigert auf natürliche Weise die Erträge von Kleinbauernfamilien in Sub-Sahara Afrika. Anlässlich des Weltbodentags vom 5. Dezember danken wir dem Insektenforschungsinstitut icipe für die wichtigen Erkenntnisse im Bereich Push-Pull und nachhaltige, ökologische Landwirtschaft und freuen uns über die fruchtvolle Zusammenarbeit.

Die Geschichte von der «Striga-Hexe» entstand anlässlich eines Projektbesuchs des Biovisions-Mitarbeiters Andreas Rösch im Herbst 2017.