Mein Vater öffnete mir die Augen

09.10.2017

Von Musdalafa Lyaga, Biovision Africa Trust

Mein Vater hat die Landwirtschaft immer geliebt. Er ist zwar schon 72 Jahre alt, aber der Geruch eines Hofs, die Klänge eines Stalls und das Pfeifen des Windes durch die Pflanzen bringen immer noch ein Lächeln auf sein Gesicht. Doch leider ist seine Liebe für das Land nicht mehr genug um den Hof am Leben zu halten. Harte Arbeit garantiert keinen Erfolg.

Bäuerinnen und Bauern sind vielen Herausforderungen ausgesetzt: kleine Ernten, degradierte Böden, Mangel an Marktzugang, Schädlinge und Krankheiten sowie Wetterextreme auf Grund des Klimawandels. Entsprechend brauchen Bäuerinnen und Bauern neue Informationen – jetzt mehr als je zuvor – um Lösungen für diese Probleme zu finden und neue Landwirtschaftspraktiken zu übernehmen.

Eine der grössten Herausforderungen in der kenianischen Landwirtschaft ist relevante Informationen durch ein passendes Medium an die Bäuerinnen und Bauern zu bringen. Um sie zu erreichen, wurden schon verschiedene Medien eingesetzt mit unterschiedlichem Erfolg.

Das Radio wird in Afrika als der beste Freund der Bauern gesehen. Dies vor allem, weil das Radio überall hingetragen werden kann und keine „Grenzen“ kennt. Es ist das einzige Medium, das es den Bauern erlaubt zu arbeiten, während sie Informationssendungen zuhören können.

Die Bäuerinnen und Bauern nehmen das Radio mit wenn sie die Kühe melken, aber auch während des Tages, wenn sie auf dem Feld sind. Häufig hängen sie das Radio einfach an einen Ast eines Baumes. Doch leider kann das Radio ein wichtiges Element nicht bieten: die Visualisierung. Ein Bild des Unkrauts Striga zu zeigen ist viel einfacher und genauer, als zu beschreiben wie es aussieht.

Ich produziere Radioprogramme für Bäuerinnen und Bauern. Jeden Donnerstag werden die Sendungen vom nationalen kenianischen Sender ausgestrahlt. Gleich nachdem die Bauernfamilien zu Abend gegessen haben und ins Bett gehen, erzähle ich ihnen etwas vor dem Einschlafen.

Mein Vater ist mein grösster Fan und auch mein grösster Kritiker. Ich nehme ihn ernst, weil ich weiss dass seine Ansicht die Meinung vieler Bauern wiederspiegelt. Eines Tages, als wir gerade eine Tasse Kaffee tranken, sagte er: „Sehen ist Glauben für einen Bauern, mein Sohn. Bauern müssen sehen wovon du sprichst. Wir können die Erde, von der du sprichst, nicht sehen oder wissen, welche Kühe der Bauer hat. Aber das ist das Wichtigste für uns.“ Dies brachte mich dazu, mit illustrierten Medien zu arbeiten.

Mit einem klugen Text und schönen Bildern in einem kreativen Layout hat man ein Magazin. Das ist ein Medium, das man mitnehmen kann und auf einfache Weise Innovationen erklären kann. Da die Alphabetisierungsrate in Afrika stetig steigt, nutzen immer mehr Bäuerinnen und Bauern Magazine als eine Informationsquelle, wie sie ihre Lebensgrundlage verbessern können.

So wurde mir klar, dass ich Radioprogramme zusammen mit Fotos in unserem Magazin “The Organic Farmer” (TOF) publizieren kann. Das Magazin beinhaltet Geschichten über Erfindungen von Bäuerinnen und Bauern, Erfahrungen und Erfolgsgeschichten über nachhaltige ökologische Landwirtschaft. Der TOF-Chefredaktorin gefiel meine Idee. Die Zuhörer haben nun die Möglichkeit, visuelle Aspekte meines Programms zu sehen und die Geschichte für späteren Gebrauch abzulegen.

Durch meine Erfahrungen mit Radio und Magazinen wurde mir klar, dass trotz der Vorteile des Magazins das Radio immer noch persönlicher ist. Eine persönliche Stimme kommt bei den Bäuerinnen und Bauern besser an als ein unpersönlicher Text.

Damit wird klar, dass Videos immer populärer werden. Sie basieren auf dem Konzept, das Bäuerinnen und Bauern immer über den Zaun auf das Feld der Nachbarn gucken, um zu sehen, was sie von den anderen lernen können. Die Videos zeigen also Geschichten von gewöhnlichen Bäuerinnen und Bauern, die wie viele andere auch mit Herausforderungen konfrontiert sind und wie sie das Problem lösen. Dies ist sehr viel persönlicher, weil man reale Menschen sieht, die Emotionen in ihren Stimmen hört und sie beobachten kann, wie sie auf eine Lösung hinarbeiten.

Mit viel Glück konnte ich an einem Bauern-für-Bauern-Videokurs von „Access Agriculture“ teilnehmen. Ich lernte, Drehbücher zu schreiben sowie Videos zu produzieren, editieren und zu verbreiten. Es war toll, mit Kollegen aus ganz Afrika zu arbeiten und Erfahrungen zu teilen. Wir produzierten und verbreiteten ein Trainingsvideo darüber, wie man den Wert vom Kohlgemüse steigern kann, indem man ihn trocknet und während der Trockensaison zu steigenden Preisen verkauft. Meine grösste Freude war, Bäuerinnen und Bauern zuzuhören, die mit grossem Enthusiasmus den Inhalt des Videos diskutierten.

Da in Afrika viele Haushalte keine Elektrizität haben oder sich Geräte für die Wiedergabe von Videos nicht leisten können, verpassen viele Bäuerinnen und Bauern das Potential dieses tollen Mediums. Zum Glück gibt es jetzt Projektoren mit aufladbaren Batterien. Aber es muss noch mehr unternommen werden, um sicherzustellen, dass die rurale Bevölkerung von solchen Videos profitieren kann.

Vielleicht wundern Sie sich, welches Medium der beste Freund von Bäuerinnen und Bauern ist? Dies können wir noch nicht sagen. Aber vielleicht sollten es möglichst viele Freunde sein. Die Kombination verschiedener Medien könnte wohl die grösste Wirkung haben.