Megafusionen: Kann das Agro-Business noch kontrolliert werden?

11.05.2017

Von Daniel Wermus

Syngenta wird von ChemChina verschluckt. Monsanto wird in Bayer eingegliedert. Dow Chemical fusioniert mit Du Pont. Die drei neuen Riesen werden 71% des Pestizid-Marktes weltweit kontrollieren und 61% des Saatguts. Eine Bedrohung für die Bauern, die Ernährungssicherheit und die Umwelt ? Die Staaten haben die Möglichkeit zu reagieren … unter der Bedingung, dazu angestossen zu werden!

Der Ausgang dieser laufenden Megafusionen sollte nicht nur in Brüssel oder Washington diskutiert werden: Er betrifft uns alle, meinen drei Organisationen (ETC Group, IUL, Centre Sud), die sich am 9. Mai in der UNO in Genf getroffen haben, um eine Antwort der Zivilgesellschaft und der Länder des Südens anzuregen.

„Das Oligopol des Saatguts und der Pestizide (ein Markt, der jährlich 97 Milliarden US Dollar umsetzt) ist nur der erste Schritt zum nächsten Zusammenschluss, der 500 Milliarden wert ist und zusätzlich Kunstdünger, tierärztliche Versorgung, Biotechnologie und vor allem Landwirtschaftsmaschinen (dominiert durch John Deere) umfassen wird“, stellt Pat Mooney fest, Geschäftsführer der ETC Gruppe, einer NGO, die die Wirkung neuer Technologien auf die Gesellschaft und Umwelt untersucht.

Was bringt diese Konzentration? Die Firmen geben an, dass sie gleichzeitig eine Bevölkerung von bald 10 Milliarden ernähren und auf den Klimawandel reagieren müssen. Gemäss ihnen zwingen sie die kostspieligen Innovationen, bedingt durch diese Herausforderung, zusammen mit Big Data und Satellitenkontrolle, sich zusammenzuschliessen, erklärt Mooney. Hingegen, meint er, ist der Preis für Saatgut seit den Fusionen gestiegen! Und ihre „Innovationen“ behindern je länger je mehr die landwirtschaftliche Artenvielfalt, die weltweit bereits auf 12 Grundnahrungsmittel reduziert ist.

Die Riesen der Lebensmittelindustrie sind in Wirklichkeit too big to feed (zu gross zu ernähren): „Ihre Methoden heizen das Klima an, laugen die Böden aus, verbannen die Bauern, bedrohen die Gesundheit und die Ernährungssicherheit. Dies sind Menschenrechtsverletzungen“, bekräftigt Peter Rossman von der Gewerkschaft der Arbeiter in der Lebensmittelindustrie IUL.

Es gibt eine gute Nachricht, unterstreicht Carlos Correa vom Centre Sud, einer zwischenstaatlichen Organisation, die die Entwicklungsländer vertritt. „In diesem Fall ist der Sektor nicht durch internationale Vereinbarungen geregelt. Die Staaten können intervenieren, um ihre Bauern und ihre Firmen gegen das Agro-Business zu schützen.“ Können sie auch eine nachhaltige Landwirtschaft fördern? „Das wird nicht von alleine geschehen“, antwortet Rossman. „Die Agrarökologie braucht einen Forschungsrahmen, Investitionen und kleine innovative Unternehmen. Die Staaten werden sich dieser Aufgabe erst stellen, wenn die Zivilgesellschaft darauf pocht.“

Laut den drei Podiumsteilnehmern hat die UNCTAD die Kompetenz, diese Situation zu analysieren und die Staaten in ihrer Stellungnahme zu unterstützen. Biovision, mit ihrem Programm „Kurswechsel Landwirtschaft“ agiert als Vermittler in Senegal und Kenia, die sich für ein System mit nachhaltiger Landwirtschaft entschieden haben.

>> Analyse der Megafusionen im Agro-Business