Kenia veranstaltet den ersten Afrikanischen Nacherntekongress

04.04.2017

Rund 600 Delegierte trafen sich in Nairobi für den ersten Afrikanischen Nacherntekongress mit dem Ziel Nahrungsverluste und Verschwendung auf dem ärmsten Kontinent zu reduzieren.

Gemäss der Food and Agricultural Organization (FAO) schafft es ein Drittel der gesamten produzierten Nahrung nicht vom Feld auf den Teller. “Das ist genug Nahrung um die 1.2 Milliarden hungrigen oder fehlernährten Menschen auf unserer Welt zu ernähren“, sagte Betty Kibaara, stellvertretende Direktorin vom regionalen Büro der Rockefeller Stiftung.

Laut Forschung entstehen in Entwicklungsländern 40 Prozent der Verluste bevor die Lebensmittel den Markt überhaupt erreichen. Die Verluste entstehen während und unmittelbar nach der Ernte und bei Verarbeitung und Transport.

Rund 30 Prozent des produzierten Getreides und fast 90 Prozent an Früchten und Gemüse gehen verloren bevor sie die Konsumenten erreichen  - dies wegen mangelhaftem Nacherntemanagement, unstrukturierten Märkten und fehlenden Lagermöglichkeiten auf Höfen und in Haushalten. Experten sagen, dass diese Lebensmittelverluste nicht nur negative Effekte auf die Nahrungssicherheit haben sondern gar eine globale Krise sind, die uns alle betrifft.

„Wir fühlen uns geehrt diesen Anlass zu veranstalten – der Erste seiner Art in Afrika“, sagte Professor Peter Mbithi, Vizekanzler der Universität Nairobi. „Diese historische Versammlung kommt zur rechten Zeit, weil Kenia, wie viele andere afrikanische Länder, immer noch unter Nachernteverlusten leidet, die auf schlechte Managementpraktiken zurückzuführen sind“, fügte er hinzu.

Die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der UNO haben u. A. das Ziel gesetzt, Nachernteverluste bis 2030 zu halbieren. Das Forum versuchte praktische Lösungen zu definieren, um den gegenwärtigen Trend nicht nur zu stoppen, sondern zu wenden – 30 Prozent oder 1.3 Milliarden Tonnen an Nahrung für den menschlichen Konsum geht verloren oder wird verschwendet, was für 470 Millionen Bäuerinnen und Bauern ein Einkommensverlust von mindestens 15 Prozent bedeutet.

“Afrika hat trotz wachsender Bevölkerung das Potential sich nicht nur selber zu ernähren, sondern auch zu einem Nettoexporteur, statt einem Nettoimporteur, von Nahrungsmitteln zu werden“, sagte Mamadou Biteye, Direktor des afrikanischen Regionalbüros der Rockefeller Stiftung.

Willy Bett, Chefbeamter des kenianischen Ministeriums für Landwirtschaft, Viehwirtschaft und Fischerei sagte, dass die Regierung die Nahrungssicherheit priorisiere: „Wir haben Richtlinien im Landwirtschaftsgesetz welche Nachernteverluste als ein Bereich für Investitionen zur Verbesserung des Sektors vorsieht“.

Gemäss der Rockefeller Stiftung, welche eine siebenjährige Initiative mit $130 Millionen zur Reduktion von Nachernteverlusten unterstützt, sind Nahrungsverluste und Verschwendung vermeidbar und Lösungen schon vorhanden: mit einer breiteren Nutzung von Technologien, die Nahrung länger frisch halten, bis hin zu Modellen, wo sich der Privatsektor mehr engagiert, um den Bäuerinnen und Bauern regelmässige Käufer ihrer Ernten zu garantieren.