Fruchtbare Böden statt Hors-Sol als Lösung gegen Hunger

10.02.2017

Ausgerechnet die Hors-Sol Produktion als Lösung für die Welternährung hochzustilisieren, greift etwas sehr kurz. Diese intensive Produktionsform ist kostspielig und aufgrund des oft hohen Energiebedarfs verglichen mit ökologischen Landwirtschaftsformen auch nicht nachhaltig.

Von Marcel Anderegg, (MSc ETH Agr), Biovision-Projektleiter im Programm Schweiz

In der NZZ Executive vom 28. Januar 2017 nahm ein Artikel namens „Kalidünger – unentbehrlicher Pflanzennährstoff“ viel Platz ein. Während der Autor Lucien F. Trueb die Hors-Sol Produktion in den Himmel lobt und behauptet, dass Nutzpflanzen keinen Boden benötigen, zeigt er den Lesern nur einen Teil der ganzen Wahrheit. Biovision nimmt dazu Stellung und bietet wichtige Informationen zum ganzheitlichen Verständnis des Bodens und der Welternährung.

Unbestritten nehmen Pflanzen Nährstoffe in einer anorganischen Form auf. Deshalb aber den Boden als schlechten Nährstofflieferanten darzustellen und seine vielfältigen Funktionen in den unterschiedlichen Ökosystemen einfach unter den Teppich zu kehren, ist eine massive Verzerrung der Tatsachen. In einer Zeit, in der wir uns klimaschädliche Prozesse nicht mehr leisten können und auch die Landwirtschaft ihren Teil zur Lösung beitragen muss, könnte dem Boden - allem voran seiner Humusschicht - als grosser potentieller CO2-Speicher eine wichtige Rolle zukommen. Verarmte Landwirtschaftsböden sind in der Regel ein Resultat falscher Bewirtschaftungsmethoden - in den meisten Fällen forciert durch übermässigen Einsatz von künstlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Ebenfalls verschwiegen wird, dass es gar nicht nötig ist, mehr Lebensmittel zu produzieren, um 8 Milliarden Menschen zu ernähren. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen gerechter zu verteilen, Nachernteverluste zu vermeiden und vor allem den Food Waste zu verringern.

Selbstverständlich sind neben dem ausführlich beschriebenen Kalium auch Stickstoff und Phosphor wichtige Bestandteile mineralischer Dünger. Die Prozesse für deren Gewinnung fressen allerdings sehr viel Energie, welche grösstenteils aus Erdöl stammt. Solche Energieverschwendung und die damit verbundene Belastung des Klimas sind nicht nötig und könnten eingespart werden, weil eine gut aufgebaute Humusschicht, welche eine grosse Vielfalt an Lebewesen aufweist, alle nötigen Nährstoffe gratis zur Verfügung stellt. Um die Nährstoffkreisläufe im Boden zu schliessen, können organische Dünger wie Mist und Kompost oder eine Gründüngung mit Leguminosen eingesetzt werden. Nichts spricht gegen einen punktuellen Einsatz von mineralischen Düngemitteln, falls trotzdem Mangelerscheinungen auftreten sollten. Die Hors-Sol Produktion ist aber besonders in Gebieten, wo aufgrund von Hunger und Mangelernährung der Bedarf einer lokalen Produktivitätssteigerung besteht, kein machbarer Ansatz und kann eine ökologische Nahrungsmittelproduktion nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.