19.01.2018

Biovision begrüsst Debatte zur Trinkwasser Initiative

Am Donnerstag 18. Januar wurde die Trinkwasser-Initiative mit 114‘000 Unterschriften in Bern eingereicht. Sie fordert, dass nur noch Landwirte Direktzahlungen erhalten, welche nach strengen ökologischen Kriterien produzieren. Der grosse Zuspruch in weiten Bevölkerungskreisen bestätigt, dass viele Menschen in der Schweiz die Forderung nach einem generellen Kurswechsel in der Landwirtschaft und unserem Umgang mit natürlichen Ressourcen befürworten.

Die Initiative, die mit vollem Namen «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» heisst, legt den Fokus auf wesentliche Missstände in der landwirtschaftlichen Produktion. Sie verlangt konkret, dass nur noch diejenigen Bauern Direktzahlungen erhalten, die in ihrem Betrieb keine Pestizide einsetzen. Auch dürfen die Landwirte, wenn sie Staatsgelder wollen, Antibiotika nicht mehr prophylaktisch einsetzen und nur noch so viele Tiere halten, wie sie ohne den Import von Futtermitteln auf ihrem Hof ernähren können. Ausserdem würde nur noch landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung staatlich gefördert, welche eine Landwirtschaft im Sinne der Initiative unterstützt.

Initiative trifft offenen Nerv

Das Anliegen rund ums Trinkwasser trifft ein zentrales Anliegen: Unsere eigene Gesundheit. Zudem kommt die Initiative zu einem Zeitpunkt, wo der Bund einen ambitionslosen Aktionsplan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln vorgelegt hat, welcher den Wandel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft kaum fördern wird. Vor diesem Hintergrund haben die Urheber der Initiative rund um Franziska Herren (nicht verwandt mit dem Biovision-Gründer und Präsident Hans R. Herren) bereits vier Monate vor Ablauf der Sammelfrist die notwendigen Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Eine beachtliche Leistung.

Die Trinkwasser-Initiative nimmt aus Sicht von Biovision wichtige Aspekte auf: Der übermässige Einsatz von Pestiziden, die hohe Tierbesatzdichte, die Erhaltung (resp. Gefährdung) der Biodiversität. Biovision setzt sich im Dialog mit zuständigen Behörden, Wissenschaft und Politik sowie in verschiedenen Gremien wie der Agrarallianz, dem nationalen FAO-Komitee und der Alliance Sud für eine verbesserte Umsetzung der Vorgaben der bestehenden Verfassungsartikel 104 (Landwirtschaft) und 104a (Ernährungssicherheit) ein. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und insbesondere das Ziel 2 „Kein Hunger“ liefern zusätzlich relevante internationale Richtlinien und Vorgaben.

Vorbehalte zur Initiative von Biovision

Die Initiative weist allerdings wichtige Defizite im Hinblick auf den angestrebten Kurswechsel hin zu einem nachhaltigen Nahrungssystem in der Schweiz aus. Z.B bei der alarmierenden Stickstoff-Problematik geht die Initiative nur auf den Stickstoffeintrag aus Futtermitteln ein, nicht aber auf den beträchtlichen Eintrag aus dem zugelassenen massiven Kunstdüngereinsatz. Auch dieser Stickstoff gelangt in unsere Ökosysteme (Wälder, Wiesen, Moore, etc.), Grundwasser, Seen, Flüsse und Bäche (vgl. Infografik). Die Initiative bietet hier keine ausreichenden Lösungsansätze.

 

Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU

Zudem fehlt die ganzheitliche Betrachtungsweise des Nahrungssystems: So haben auch die Konsumenten (also wir alle) eine Verantwortung, das Einkaufs- und Essverhalten nachhaltig auszurichten. Dieser Schritt zur Veränderung unserer verschwenderischen Konsummuster ist unabdingbar für einen Kurswechsel. Seit vielen Jahren setzt sich Biovision für ein nachhaltiges Konsumverhalten ein: Unsere  Wanderausstellung CLEVER – spielend intelligent einkaufen sensibilisiert  Konsumentinnen und Konsumenten, z.T. bereits im Schulalter, für die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln. Zudem gibt CLEVER konkrete Handlungsanleitungen wie jeder Mensch persönlich zu einem Kurswechsel beitragen kann.

Systemischer Ansatz gefordert

Der systemische Ansatz wird durch die aktuelle wissenschaftliche Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zu den Grundlagen, Bedingungen und Voraussetzungen für einen Kurswechsel gestützt. Die Studie kommt zum Schluss, dass Bio die Welt ernähren kann, nachhaltige Landwirtschaft aber nur möglich ist, wenn sie in Kombination mit dem Konsum gedacht und umgesetzt wird. Dabei ist entscheidend, mehrere Strategien im Bereich biologischer Landbau, Kraftfuttereinsatz, Fleischkonsum und Nahrungsmittelabfälle zu kombinieren.

Als nächstes ist nun die Politik am Zug: Die durch die Trinkwasser-Initiative lancierte politische Debatte ist wichtig und eine weitere Chance, Antworten auf die offenen Fragen und fehlenden Anknüpfungspunkte für einen Kurswechsel im Schweizer Nahrungssystem zu erarbeiten und die Verantwortlichen zu konkretem Handeln zu drängen. Daran arbeitet Biovision - gemeinsam mit vielen zielverwandten Organisationen und Beteiligten auf allen Ebenen.