«Beacons of Hope»: Unterwegs zu mehr Nachhaltigkeit im Ernährungssystem

Wie wir Lebensmittel produzieren, vertreiben und konsumieren hat einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit, auf die Umwelt und auf die ganze Gesellschaft. Dass ein Wandel hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen in Anbetracht globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Hungerkrisen und Bodendegradation Not tut, liegt auf der Hand. Doch wie kann diese Transformation gelingen?

Im Auftrag der Global Alliance for the Future of Food, einem globalen Netzwerk von Stiftungen, die sich für nachhaltige Ernährungssysteme engagieren, ist Biovision dieser Frage auf den Grund gegangen. «Beacons of Hope» (Leuchttürme der Hoffnung) heisst das Projekt, in dessen Rahmen Biovision 130 Initiativen, die weltweit nachhaltige Ernährungssysteme fördern, unter die Lupe genommen hat. Die Fragen, die dabei beantwortet werden sollten, lauteten: Welche vielversprechenden Ansätze werden weltweit umgesetzt, um eine/n nachhaltigere/n Produktion, Vertrieb, Konsum und Abfallbewirtschaftung zu fördern? Was haben diese Ansätze gemeinsam? Mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert und welche Faktoren sind entscheidend für ihren Erfolg?

Vom Elefantenschutzprogramm in Sambia zum nachhaltigen Entwicklungsplan Vanuatus

Aus den 130 analysierten Initiativen wurden schliesslich 21 repräsentative Projekte ausgewählt, die besonders ganzheitliche Ansätze verfolgen, die Nachhaltigkeit sowohl auf der sozialen, der ökologischen als auch der ökonomischen Ebene fördern und das ganze Spektrum von Nonprofit-Organisationen bis in die Politik repräsentieren. Eines der ausgewählten Leuchtturmprojekte ist beispielsweise das Unternehmen COMACO in Sambia: Die Firma verarbeitet Erdnüsse zu biologischer Erdnussbutter und nimmt nur Bäuerinnen und Bauern unter Vertrag, die sich verpflichten, zum Erhalt der natürlichen Ressourcen vor Ort beizutragen, also beispielsweise keine Elefanten mehr zu jagen. Im Gegenzug erhalten sie Abnahmegarantien und einen Preis für ihre Erdnüsse, der oberhalb dessen liegt, was in Sambia marktüblich ist. COMACO setzt sich also sowohl auf der ökologischen als auch auf der sozialen und ökonomischen Ebene für die Nachhaltigkeit ein. Eine weitere Initiative mit Leuchtturm-Charakter, die im Rahmen von «Beacons of Hope» näher untersucht wurde, ist der Plan für nachhaltige Entwicklung der Insel Vanuatu im Südpazifik: Der Plan basiert auf den sogenannten «alternativen Indikatoren für das soziale Wohlergehen», die davon ausgehen, dass nicht primär monetäre Werte für das Wohlergehen der Bevölkerung entscheidend sind, sondern beispielsweise eine gesunde Umwelt und Zugang zu genügend gesunder und nachhaltig produzierter Nahrung. Dementsprechend sollen in Vanuatu bis 2030 unter anderem ökologische Anbaumethoden, nachhaltige Fischerei und die Reduzierung von Abfall und Verschmutzung gefördert werden.

  • Der Entwicklungsplan des Inselarchipels Vanuatu im Südpazifik setzt voll und ganz auf Nachhaltigkeit und fördert die traditionelle, agrarökologische Landwirtschaft.
  • EOSTA, ein Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden, setzt beim Vertrieb von Gemüse und Früchten auf einen innovativen, nachhaltigen Ansatz.
  • Die Bauern, die das nachhaltige Unternehmen COMACO mit biologischen Erdnüssen beliefern, verpflichten sich, die Biodiversität in ihrer Region zu schützen. So wird unter anderem die Elefantenjagd in Sambia eingedämmt.
  • Die «North East India Slow Food and Agrobiodiversity Society (NESFAS)» wurde im Rahmen des Beacons-Projekts näher untersucht. Ihr innovativer Ansatz beinhaltet beispielsweise die Organisation von internationalen Festivals für traditionelle Lebensmittel.
  • Das Team von Biovision bei der Analyse der verschiedenen «Beacons of Hope».

Agrarökologie zur Förderung eines nachhaltigen Ernährungssystems und als Klimamassnahme

Alle 21 Initiativen, die im Rahmen von «Beacons of Hope» ausgewählt wurden, verbindet primär eines: Sie beweisen, dass ein ganzheitlicher Wandel hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen möglich ist – sowohl im kleinen, lokalen, als auch im grösseren, nationalen oder internationalen Rahmen, und dass dieser Wandel sich sowohl auf die Umwelt als auch auf die Menschen positiv auswirkt. Das Team von Biovision hat aber noch weiter Gemeinsamkeiten und Muster herausgearbeitet - dies anhand einer Methodik, die gemeinsam mit international anerkannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet wurde. Eine der bedeutendsten Erkenntnisse der «Beacons of Hope»-Analyse ist die Tatsache, dass ein Grossteil der 21 Initiativen, die es aufgrund ihrer Ganzheitlichkeit in die Endauswahl geschafft haben, den agrarökologischen Ansatz als Grundlage ihrer Aktivitäten nutzt. Dies beweist, dass die Agrarökologie die Nachhaltigkeit auf allen Ebenen fördert und das Potential besitzt, eine Transformation des gesamten Ernährungssystems voranzutreiben. Die Agrarökologie wird zudem auch vermehrt als vielversprechender Ansatz genannt, um das Ernährungssystem anpassungsfähiger an den Klimawandel zu gestalten und die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen.

Veröffentlichung des Gesamtberichts zu «Beacons of Hope»

Der Schlussbericht zu «Beacons of Hope» wird momentan von Biovision in Zusammenarbeit mit der Global Alliance for the Future of Food fertiggestellt und erscheint in den nächsten Wochen. Die darin enthaltenen Erkenntnisse wird Biovision nutzen, um sich auf nationaler und internationaler Ebene für eine Transformation hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen stark zu machen und die Vorzüge der Agrarökologie aufzuzeigen. Zudem soll der Bericht allen Akteuren dienen, die sich selbst für mehr Nachhaltigkeit im Ernährungssystem einsetzen.